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Secunet – Cybersecurity „Made in Germany“

Eine der spannendsten und aussichtsreichsten Branchen für die kommenden Jahre sehe ich im Bereich IT-Sicherheit und Cybersecurity. Aus diesem Bereich habe ich bereits den Weltmarktführer Fortinet ausführlich analysiert und bin dort auch selber investiert. Da die Digitalisierung und Vernetzung weiter zunimmt, müssen dementsprechend Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, um sensible Daten zu schützen. Da in dieser Branche Vertrauen alles ist, macht es aus staatlicher Sicht durchaus Sinn auf nationale Unternehmen zu setzen. Daher werfe ich heute einen Blick auf das deutsche Unternehmen Secunet Security Network. In Deutschland gibt es leider nur wenige große Unternehmen in dieser Branche, so dass sich ein Blick auf die Aktie von Secunet lohnen könnte.

Kennzahlen Secunet

WKN: 727650
Gewinnwachstum 10 Jahre: 27,6% p.a.
Umsatzwachstum 10 Jahre: 18,1% p.a.
KGV22e: 31
Dividendenrendite: 2,78%
Marktkapitalisierung: 1,25 Mrd. €

Kurzbeschreibung

Secunet ist ein deutsches Unternehmen im Bereich der IT-Sicherheit mit Hauptsitz in Essen. Das Unternehmen entstand 1997 durch die Ausgliederung der Abteilung IT-Sicherheit von der TÜV Mitte AG. Dieser Schritt erfolgte aufgrund der steigenden Nachfrage Ende der 1990er Jahre als das Internet auf dem Vormarsch war. Bereits 1999 folgte kurz vor dem Platzen der Dotcom Blase der Börsengang. Nach einem steilen Anstieg folgte ein ebenso schneller Fall. Dennoch konnte sich das Unternehmen halten und seitdem durchaus positiv entwickeln. Aktuell beschäftigt Secunet rund 1000 Mitarbeiter, die seit 2019 vom Vorstandsvorsitzenden Axel Deininger geleitet werden. Der Großteil der Anteile liegt mit 79% seit 2014 bei Giesecke+Devrient. Dabei handelt es sich um ein inhabergeführtes deutsches Unternehmen, das ebenfalls den Schwerpunkt IT-Sicherheit hat.

Unternehmensübersicht

Geschäftsmodell

Das Produktportfolio von Secunet umfasst verschiedene Lösungen, Produkte und Dienstleistungen im Bereich Cybersecurity. Im Fokus stehen dabei die zwei Zielgruppen aus dem Public Sector und dem Business Sector. Etwa 80% des Umsatzes erzielt Secunet durch bestehende Verträge und neue Aufträge aus dem öffentlichen Raum (Public Sector). Dazu zählen verschiedene deutsche Behörden, Ministerien oder Verwaltungen. Außerdem zählen die Bundeswehr, Polizei, Grenzschutz und Sicherheitsbehörden zu den Kunden. Wichtigstes Produkt für die öffentliche Hand ist SINA (Sichere Inter-Netzwerk Architektur), das zusammen mit dem BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) entwickelt wurde. Dabei handelt es sich im um eine aus Hard- und Software bestehende Architektur zur Verarbeitung sensibler Daten. Die Kunden im Business Sector stammen hauptsächlich aus dem Gesundheitswesen und der Industrie. Dort erhält die Digitalisierung Einzug, so dass auch hier Netzwerke und Systeme abgesichert werden müssen.

Übersicht der zwei Geschäftsbereich von Secunet
Quelle: Hauptversammlung 2022

Übernahme SysEleven GmbH

Im Mai 2022 verkündete Secunet die Finalisierung der Übernahme der SysEleven GmbH. Bei SysEleven handelt es sich um einen Cloud-Spezialisten mit Sitz in Berlin. Das Produktportfolio umfasst verschiedene Cloud-Services sowie eine eigene Cloud-Infrastruktur mit zertifizierten Rechenzentrumsstandorten in Deutschland. Im vergangenen Jahr erzielte SysEleven einen Umsatz von rund 15 Mio.€ und beschäftigte etwa 100 Mitarbeiter. Die Übernahme kostete 50 Mio.€, die Secunet aus Eigenmittel finanzieren konnte. Mit dieser für Secunet großen Übernahme möchte man das eigene Produktportfolio im Bereich der Cloud stärken. Cloud-Anwendungen gewinnen immer mehr an Relevanz, so dass Secunet zukünftig auch in diesem Bereich Cybersecurity Lösungen anbieten kann.

Aktuelle Geschäftsentwicklung

Secunet war einer der großen Profiteure der Coronapandemie. Viele Unternehmen und Behörden waren gezwungen kurzfristig für ihre Mitarbeiter Home-Office Lösungen zu schaffen. Dazu musste die Kommunikation in das jeweilige Netzwerk abgesichert werden. Dies spielte Secunet als einen Anbieter für Cybersecurity natürlich in die Karten und sorgte für eine rasant steigende Nachfrage. Dieser pandemiebedingte Effekt lässt nun langsam nach, so dass das Wachstum aus 2020 und 2021 nicht mehr gehalten werden konnte. Zusätzlich kam es durch die Probleme in den weltweiten Lieferketten zu Engpässen in der Halbleiterbranche. Dies hatte auch Auswirkungen auf das Geschäft von Secunet, da viele Cybersecurity Maßnahmen hardwarebasiert umgesetzt werden. Der Ukraine-Krieg hatte hingegen keinen direkten Einfluss auf das Geschäft von Secunet. Indirekt könnte Secunet jedoch langfristig davon profitieren, wie wir später bei der Betrachtung der Chancen sehen werden.

Prognose der Geschäftsentwicklung von Secunet für das Jahr 2022
Quelle: Hauptversammlung 2022

Die zuvor beschriebenen Entwicklungen spiegeln sich auch in den Quartalszahlen von Secunet wieder. Sowohl der Umsatz als auch der Gewinn lag im ersten Halbjahr 2022 unterhalb der Zahlen aus dem Vorjahr. Der Umsatz ging um knapp 8% zurück und das Konzernergebnis vor Steuern sogar um 38%. Das schlechte Ergebnis lässt sich vor allem auf die eben beschriebenen Einmaleffekte, der Übernahme von SysEleven und die höheren Kosten in der Verwaltung bzw. im Bereich Forschung & Entwicklung zurückführen. Das zweite Halbjahr ist traditionell stärker bei Secunet, so dass die Jahresziele durchaus noch in Reichweite liegen dürften.

Quelle: Halbjahresfinanzbericht 2022

Umsatz- und Gewinnentwicklung

Langfristig kann sich die Entwicklung bei Umsatz und Gewinn durchaus sehen lassen. Schon vor der Pandemie konnte Secunet mit einem starken Wachstum glänzen. Auf Sicht von 10 Jahren konnte der Umsatz jährlich um rund 18% und der Gewinn sogar um 27% gesteigert werden. Diese Werte sind zwar noch etwas verzerrt durch die erwähnten Sondereffekte, aber die Nachfrage sollte weiterhin wachsen. Die operative Marge ist in den letzten Jahren ebenfalls leicht angestiegen und liegt mittlerweile bei über 16%. Secunet agiert fast ausschließlich in Deutschland, wo etwa 91% der Umsätze erzielt werden. Dies erklärt sich natürlich über die vielen Kunden aus der öffentlichen Hand.

Entwicklung von Umsatz und Gewinn von Secunet
Quelle: Hauptversammlung 2022

Dividenden

Secunet schüttet seit 2014 regelmäßig eine Dividende aus. Die Ausschüttungen wurden kontinuierlich erhöht und 2019 und 2022 gab es aufgrund der positiven Geschäftsentwicklung des Vorjahres sogar eine Sonderdividende. In der Regel war die ausgeschüttete Dividende durch den Free-Cashflow des Vorjahres ausreichend gedeckt. Somit ist die Aktie von Secunet auch für Dividendeninvestoren nicht uninteressant. Die Dividendenrendite lag ohne Sonderdividenden im Schnitt bei etwas 1%. Etwas negativ sticht hingegen die Sonderdividende in diesem Jahr hervor. Diese Mittel hätte man vielleicht besser für die Übernahme von SysEleven aufwänden sollen, wie wir bei der Betrachtung der Finanzen nun sehen werden.

Betrachtung der Dividendenpolitik von Secunet
Dividenden Secunet
Quelle: aktienfinder.net

Finanzen

Bisher sahen die Finanzen von Secunet extrem gut aus. Allerdings schmolz die Cashposition von 120 Mio.€ Ende 2021 auf nun 5 Mio.€ zusammen. Besonders die Übernahme von SysEleven für 50 Mio.€ und die Dividendenausschüttung in Höhe von 35 Mio.€ (davon alleine 13 Mio.€ Sonderdividende) waren sehr teure Ausgaben. Zusätzlich entstanden Kosten durch die Erhöhung von Lagerbeständen und weitere Ausgaben für Soft- und Hardware. Dennoch ist Secunet finanziell immer noch gut aufgestellt. Den verzinsten Schulden von 23 Mio.€ und einem Goodwill von 57 Mio.€ stehen neben der Cashposition (5 Mio.€) auch ein Kernvermögen von 193 Mio.€ gegenüber. Trotzdem sollte man die Entwicklung der Finanzen von Secunet im Anbetracht der steigenden Zinsen und der geringen Cashposition im Auge behalten.

Entwicklung der finanziellen Lage von Secunet
Finanzielle Lage von Secunet
Quelle: aktienfinder.net

Investmentgedanken / Chancen

Digitalisierung

Durch die fortschreitende Digitalisierung und Vernetzung steigt die weltweit generierte Datenmenge immer weiter an. Diese lag 2012 noch bei 6,5 ZB (Zettabyte), 2020 schon bei 64ZB und für 2025 rechnen Experten mit über 180ZB. Je mehr Daten sich in unserer Welt befinden, desto mehr Sicherheitsmaßnahmen sind dafür erforderlich. Dies gilt sowohl bei der Speicherung von Daten als auch bei der sicheren Übertragung. Auch bei einem Blick auf die wachsende Anzahl an Cyberattacken wird deutlich, dass sich Verbrecher immer häufiger Online statt Offline zuschlagen. Experten rechnen damit, dass der Markt für Cybersecurity in den kommenden Jahren um jährlich fast 10% wachsen soll, wovon Unternehmen wie Secunet profitieren.

Erhöhung Verteidigungsausgaben

Als eine der ersten Konsequenzen aus dem Angriff Russlands auf die Ukraine, hat die Bundesregierung beschlossen die in die Jahre gekommene Bundeswehr besser aufzustellen. Dazu wird ein Sondervermögen in Höhe von 100 Mrd.€ bereitgestellt. Hier geht es natürlich hauptsächlich um die Beschaffung von militärischer Ausrüstung, aber in der heutigen Zeit finden Kriegshandlungen nicht nur auf dem Schlachtfeld statt, sondern auch online. Dazu muss die Bundeswehr entsprechend ausgerüstet werden, um den Anforderungen eines modernen Heeres gerecht zu werden. Dazu zählt insbesondere die Absicherung gegenüber feindlicher Hacker oder Spionageangriffe. Da die Bundeswehr bereits Kunde bei Secunet ist, rechnet man damit neue Aufträge erhalten zu können. Laut dem Management von Secunet ist damit ab 2023 zu rechnen. Insgesamt kann Secunet somit von der Modernisierung der Bundeswehr profitieren.

Risiken

Personal- und Materialmangel

Die vergangenen Monate waren von einem Mangel im Halbleiterbereich geprägt. Durch die Probleme in den Lieferketten kam es zu Verzögerungen bei der Abwicklung diverser Projekte. Secunet hat darauf auch reagiert und will zukünftig den Lagerbestand erhöhen. Dies hat sich bereits in den erhöhten Ausgaben im ersten Halbjahr gezeigt. Ein weiteres Problem in der Zukunft könnte der Fachkräftemangel werden. In Deutschland ist es momentan relativ schwierig an Fachkräfte im IT-Bereich zu kommen. Für Secunet ist dies unerlässlich, wenn man weiter wachsen möchte. Viele Unternehmen gehen daher den Weg Übernahmen zu tätigen und somit indirekt neue Geschäftsbereiche und Mitarbeiter dazu zu gewinnen. Dieses vorgehen konnte ich auch schon bei meinen Analysen von Compugroup Medical und Datagroup feststellen. So oder so wird weiteres Wachstum nicht günstig sein für Secunet.

Abhängigkeit öffentliche Aufträge

Auf der einen Seite ist es natürlich positiv mit den Aufträgen aus dem öffentlichen Sektor einen zuverlässigen Kunden zu haben, andererseits bedeutet dies auch eine gewisse Abhängigkeit. Mehr als 80% der Umsätze stammen aus diesem Bereich und es würde nicht schaden, wenn man sich etwas breiter aufstellen würde. In den letzten Jahren stagnierten die Umsätze aus dem nicht öffentlichen Bereich. Der Markt für Cybersecurity Lösungen ist hart umkämpft und Secunet muss aufpassen von der Konkurrenz nicht abgehängt zu werden. In den kommenden Jahren werden die Anforderungen für die IT-Sicherheit weiter steigen, so dass auch gewisse Investitionen in Forschung und Entwicklung notwendig sein werden.

Ist die Secunet Aktie günstig?

Fundamentale Bewertung

Für die fundamentale Bewertung der Secunet Aktie eignet sich das KGV. Durch die ohnehin schon guten Wachstumszahlen und der Sondereffekte aus der Coronapandemie, kam es 2020 und 2021 zu einer extremen Übertreibung bei der Secunet Aktie. Daher habe ich für die Darstellung auch den logarithmischen Chart gewählt. Das durchschnittliche KGV lag schon vor der Coronapandemie bei etwa 32, so dass ich diesen Wert auch aufgrund des hohen Gewinnwachstums für angemessen halte. Aktuell notiert Secunet zu einem KGV von 33, so dass die Aktie aus fundamentaler Sicht fair bewertet ist. Trotz des großen Kursrückgangs ist das Papier somit kein Schnäppchen. In den vergangenen Jahren ging es für die Aktie nur selten unterhalb des fairen Wertes, so dass sich ggf. eine Einstiegschance bietet.

Entwicklung der Secunet Aktie anhand des fairen Wertes nach KGV
Fairer Wert Secunet Aktie nach KGV (logarithmisch)
Quelle: aktienfinder.net

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Technische Bewertung

Wochenchart

Innerhalb von anderthalb Jahren konnte die Aktie von Secunet vom Coronatief im März 2020 bis zum Allzeithoch Ende 2021 585% zulegen. Ebenso deutlich ging es wieder abwärts und in der Spitze lag der Abstand zum Allzeithoch bei 73%. Nun befindet sich die Aktie in einer interessanten Zone, da der Kurs die seit 2017 aktive Aufwärtstrendlinie nicht unterschritten hat.

Technische Analyse der Secunet Aktie im Wochenchart.
Secunet Aktie im Wochenchart (logarithmisch)

Tageschart

Im Tageschart sieht es für die Secunet Aktie weiterhin nicht gut aus. Vom Allzeithoch läuft aktuell die zweite Korrekturwelle, die vorerst an der zuvor erwähnten Trendlinie gestoppt hat. Dies ist die erste nennenswerte Gegenreaktion seit Anfang August. Der aktive Abwärtstrend wird erst durch einen Anstieg über 315€ nachhaltig gebrochen. Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg. Ich halte eine weitere Erholung bis zum Widerstand bei 220€ für nicht unwahrscheinlich, wo sich dann entscheiden wird wie es weiter geht. Kursziele zur Oberseite wären dann die weiteren Widerstandszonen bei 260€ und 315€. Bei weiter fallenden Kursen wäre die Widerstandszone bei 140€ ein erstes Kursziel. Im extrem bearischen Szenario droht ein Rückfall bis 108€, wo die 1er-Fibonacci-Projektion der zweiten Abwärtswelle liegt. Aus technischer Sicht bietet sich ein Kauf vorerst nicht an.

Technische Analyse der Secunet Aktie im Tageschart.
Secunet Aktie im Tageschart

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Fazit Secunet Aktie

Die Aktie von Secunet hat in den letzten Jahren eine wahre Achterbahnfahrt hingelegt. Dies ändert jedoch nichts daran, dass die Aktie weiterhin hoch interessant ist. Das Geschäftsmodell ist als krisensicher anzusehen und der öffentliche Sektor als Hauptkunde sollte langfristig für Stabilität sorgen. Weniger gut gefallen hat mir die Finanzsituation, da man mit der Ausschüttung der Sonderdividende wenig Weitsicht bewiesen hat. Dieses Geld wäre aus meiner Sicht für die Übernahme von SysEleven geeigneter gewesen.

Ich bin weiterhin sehr bullisch für die Cybersecurity Branche und werde wohl auch bei Secunet demnächst zuschlagen. Da es aus technischer Sicht keinen klaren Einstieg gibt und die Aktie sich im Abwärtstrend befindet, werde ich über einen Sparplan Anteile erwerben. Ggf. folgt zu einem späteren Zeitpunkt noch ein Einmalkauf, wenn die technische Lage sich verbessert.

Quellen

aktienfinder.net

Secunet Investor Relations

marketscreener.com

TradingView

Wikipedia

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2 Gedanken zu „Secunet – Cybersecurity „Made in Germany““

  1. Das Geschäftsmodell ist verständlich und hat positive Aussichten.
    Der Ankeraktionär G&D wird schon aus Eigeninteresse für ein gutes Management und dessen Kontrolle sorgen.
    Der Kurs wird von den Minderheitsaktionären gemacht – da sind wohl einige ‚Zittrige‘ dabei.
    Eine gute Beimischung für ein Depot. Die Perspektive sollte eher langfristig sein.

    1. Bei der geringen Marktkapitalisierung fallen die Kursausschläge dann natürlich umso heftiger aus. Das konnte man in den vergangenen Jahren auch eindrucksvoll erfahren. Als Beimischung bin ich langfristig für Secunet optimistisch.

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