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Fortinet

Kurzbeschreibung

Fortinet ist ein amerikanisches Unternehmen mit Hauptsitz in Sunnyvale mitten im kalifornischen Silicon Valley. Das Hauptgeschäftsgebiet ist die Entwicklung und der Vertrieb von Software, Hardware und den zugehörigen Dienstleistungen im Bereich der Informationssicherheit. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2000 durch die beiden Brüder Ken und Michael Xie, die heute immer noch an der Spitze des Unternehmens stehen. Beide besitzen 7 bzw. 8% der Anteile an Fortinet, so dass man Fortinet noch als gründergeführtes Unternehmen bezeichnen kann. Im Jahr 2009 folgte der Börsengang an der New Yorker Börse. Aktuell arbeiten weltweit etwa 9.700 Mitarbeiter für Fortinet.

Kennzahlen Fortinet (Stand 06.02.2022)

WKN: A0YEFE
Gewinnwachstum 10 Jahre: 27,3 % p.a.
Umsatzwachstum 10 Jahre: 22,4 % p.a.
KGV22e: 80
Dividendenrendite: —
Marktkapitalisierung: 45 Mrd. €

Unternehmensübersicht

Geschäftsmodell

Bei einem näheren Blick auf Fortinet stellt man schnell fest, dass das Unternehmen nahezu das komplette Spektrum der Informationssicherheit abdeckt. Die Branche ist sehr vielschichtig und daher befinden sich sowohl Hardware- als auch Software-Lösungen im Produktportfolio. Dazu zählen beispielsweise Antivirenprogramme, Firewalls, Intrusion Detection oder Endpunktsicherheit. Vieler dieser Dienste bietet Fortinet in einem Subscription-Modell an, so dass ein beträchtlicher Teil der Umsätze als wiederkehrend einzuordnen ist.

Eines der erfolgreichsten Produkte ist die FortiGate-Reihe, die als eines der ersten Produkte im Jahre 2002 auf den Markt kam. Dabei handelte es sich um eine einfache Firewall, die im Laufe der Jahre weiterentwickelt wurde. Mit der Zeit kamen z.B. Antiviren- und Antispamprogramme hinzu und auch die Einsatzweise änderte sich mit der Zeit. So war FortiGate am Anfang noch ein reales Hardwaregerät, das beim Kunden vor Ort im Einsatz war. Heutzutage können viele Funktionalitäten auch auf virtuellen Maschinen laufen und müssen nicht zwingend in Form von Hardware verkauft werden.

Quelle: Investor Presentation Dezember 2021

Neben den Produkten bietet Fortinet auch verschiedene weitere Dienstleistungen rund um das Thema Cybersecurity an. Neben dem technischen Support bietet Fortinet beispielsweise auch Zertifizierungen und Schulungen im Bereich der Informationssicherheit an oder stattet Universitäten mit Lehrmaterialien aus. Außerdem betreibt man ein eigenes Forschungsteam unter dem Namen FortiGuard Labs. Dort erforscht man mögliche Sicherheitsrisiken und veröffentlicht hilfreiche Hinweise zum Schutz vor Cyberangriffen.

Marktsituation

Da die Nachfrage nach Lösungen im Bereich der Cybersecurity stark angezogen hat, ist Fortinet nicht alleine auf dem Markt. Es gibt sehr viele größere und kleinere Unternehmen, die ebenfalls Produkte und Dienstleistungen im Bereich der Informationssicherheit anbieten. Einige davon sind schon sehr lange auf dem Markt und andere sind dagegen eher als Startups zu sehen. Fortinet schätzt seinen „Total Addressable Market“ momentan auf etwa 121 Mrd.$ ein. Dieser soll bis 2025 jährlich um etwa 10% wachsen.

Quelle: Investor Presentation Dezember 2021

Betrachtet man die komplette Branche der Informationssicherheit sind die Zahlen noch einmal etwas größer. Hier geht man von etwa 218 Mrd.$ aus mit ähnlichen jährlichen Wachstumsraten. Dies zeigt, dass Fortinet in einer der am dynamischsten wachsenden Branchen agiert. Wie wir gleich sehen werden ist Fortinet bereits seit Jahren ein hochprofitables Unternehmen. Für viele andere, teilweise sehr hoch bewertete Unternehmen, gilt dies hingegen noch nicht. Dies könnte Fortinet zukünftig in die Karten spielen.

Quelle: Statista

Umsatz- und Gewinnentwicklung

Wirft man einen Blick hinter die Umsätze, lässt sich erkennen, dass Fortinet in vielen Bereichen sehr gut diversifiziert ist. Geographisch gesehen ist der amerikanische Heimatmarkt mit einem Anteil von 26% der mit Abstand wichtigste. Die weiteren Umsätze sind weltweit sehr breit verstreut, was nochmals verdeutlicht, dass Fortinet eine sehr gut Position auf dem Markt erreicht hat. Zu den Kunden zählen neben großen Konzernen (48%) auch viele kleinere und mittelständische Unternehmen (52%). Hier kann man mit seinem sehr breiten und skalierbaren Produktportfolio auf allen Ebenen punkten. Mittlerweile wird in sämtlichen Branchen auf IT-Anwendungen zurückgegriffen, so dass es auch Bedarf an Sicherheitstechnologien in vielen verschiedenen Industrien gibt.

Quelle: Investor Presentation Dezember 2021

In den vergangenen Jahren war die Entwicklung des Umsatzes und der operativen Marge extrem erfreulich. In den vergangenen 10 Jahren konnte Fortinet seinen Umsatz jährlich um etwa 22% steigern. Dadurch verzehnfachten sich die Einnahmen von 324 Mio.$ im Jahr 2010 auf mittlerweile 3,33 Mrd.$ im Jahr 2021. Das Wachstum ist weiterhin ungebrochen, denn für das vergangene Geschäftsjahr lag das Umsatzplus bei etwa 28%. Momentan ist etwa 63% des Umsatzes als planbarer und wiederkehrender Umsatz anzusehen. Seit Anfang 2015 ist es Fortinet ebenfalls gelungen die operative Marge hochzuschrauben. Diese soll 2021 bei etwa 25% liegen und in den kommenden Jahren weiterhin leicht steigen.

Quelle: aktienfinder.net

Die anziehenden Umsätze und Margen haben es schon vermuten lassen, dass auch der Gewinn in den vergangenen Jahren kräftig gesteigert werden konnte. Hier ging es seit 2017 kräftig nach oben und auch für die kommenden Jahre geht man von weiter zulegenden Erlösen aus. Ebenfalls positiv ist die starke Entwicklung des Free-Cashflows. Diese Kennzahl ist weniger verzerrt als der Gewinn und zeigt, dass Fortinet hochprofitabel gearbeitet hat. Hier gilt es auch nochmal hervorzuheben, dass Fortinet seit dem Börsengang 2009 noch nie rote Zahlen geschrieben hat. Dies ist für ein so stark wachsendes Unternehmen in dieser Branche heutzutage eher unüblich.

Quelle: aktienfinder.net

Finanzen

Die starke Entwicklung beim Umsatz und Gewinn spiegelt sich auch in der Bilanz wieder. Den verzinsten Schulden von etwas weniger als einer Milliarde Dollar steht eine Cashposition von mehr als 2,5 Mrd.$ gegenüber. Dazu kommt noch eine jährliche Tilgungskraft von 1,2 Mrd.$. Somit kann Fortinet als schuldenfrei und finanziell bestens aufgestellt bezeichnet werden. Hier bleibt nur abzuwarten, was Fortinet zukünftig mit dem überschüssigen Kapital machen wird.

Quelle: aktienfinder.net

Investmentgedanken / Chancen

Fortschreitende Vernetzung und Digitalisierung

Die offensichtlich größte Chance bei Fortinet ist die immer weiter fortschreitende Vernetzung und Digitalisierung. Dieser Trend hat bereits vor einigen Jahren eingesetzt und wurde durch die Corona Pandemie zusätzlich weiter beschleunigt. Je mehr Endgeräte benutzt werden oder Daten über Netzwerke ausgetauscht werden, desto höher ist der Bedarf die Kommunikation abzusichern und zu schützen. Aktuell verdoppelt sich die Menge der weltweit gespeicherten Daten in etwa alle zweieinhalb Jahre. Mit zunehmenden technologischen Möglichkeiten ist davon auszugehen, dass sich dies zukünftig weiter fortsetzen wird. Als einer der Marktführer im Bereich der Informationssicherheit sollte Fortinet von diesem Trend langfristig profitieren können. Die steigenden Margen von Fortinet deuten auch darauf hin, dass das Geschäftsmodell gut skalierbar ist und die wachsende Nachfrage bedient werden kann.

Zunahme an Cyberangriffe

Mit der fortschreitenden Digitalisierung steigt auch die Zahl der registrierten Cyberangriffe. In den letzten Jahren gab es eine Vielzahl von erfolgreichen Attacken, die auch groß in den Medien thematisiert wurden. Hier wäre beispielsweise die Attacke auf Ceconomy (Saturn / MediaMarkt) zu nennen. Es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer der erfolgreichen Cyberangriffe noch wesentlich höher liegt. Viele Unternehmen treten damit nicht an die Öffentlichkeit, um ein Imageschaden zu umgehen. Im nachfolgenden Screenshot nennt Fortinet einige Zahlen, die verdeutlichen, dass Cyberangriffe für Unternehmen mehr und mehr zu einem Problem werden. Und diese sind für Unternehmen extrem kostspielig. Neben Unternehmen stehen auch Regierungen, Geheimdienste und Sicherheitsbehörden im Fokus von Hackern. In diesen Bereichen ist ein hoher Sicherheitsstandard unabdingbar, so dass hier einige Gelder zukünftig investiert werden müssen.

Quelle: Investor Presentation Dezember 2021

Innovationskraft

Seit der Gründung im Jahr 2000 hat sich Fortinet extrem innovativ gezeigt. Dies lässt sich nicht nur an der gewachsenen Produktpalette ablesen, sondern vor allem an den Patenten, die das Unternehmen angemeldet hat. Momentan besitzt Fortinet etwa 1.250 unterschiedliche Patente und hat weitere 250 beantragt. Im Vergleich zur Konkurrenz sind dies beeindruckende Zahlen. Dies spricht für die enorme Innovationskraft von Fortinet, die mit den Patenten zusätzlich ihr Geschäft schützen können. Die Fähigkeit neue Lösungen und Produkte zu entwickeln wird auch in Zukunft sehr wichtig sein, da Kriminelle immer wieder neue Sicherheitslücken finden und diese nutzen wollen. Mit dem bereits zuvor erwähnten eigenen Forschungsteam sorgt man dafür, dass frühzeitig Gefahren erkannt und beseitigt werden können.

Risiken

Sicherheitslücken im Produkt

Die Kunden von Fortinet legen aller höchsten Wert auch die Sicherung ihrer Kommunikation und ihrer Systeme. Falls es trotz des Einsatzes der Produkte von Fortinet zu erfolgreichen Hackerangriffen kommt, wäre dies für das Unternehmen durchaus problematisch. Solche Sicherheitslücken können nie ganz ausgeschlossen werden und wären je nach Einsatzort für den Kunden und damit auch für Fortinet fatal. Im schlimmsten Fall führt dies nicht nur zu einem Reputationsverlust, sondern auch zu möglichen Schadensersatzforderungen. Für ein Unternehmen im Bereich der Cybersecurity ist der Ruf und das Vertrauen enorm wichtig. In der Vergangenheit hat es immer wieder solche Fälle gegeben, so dass dies in Zukunft nicht auszuschließen ist.

Konkurrenzprodukte

Auf der einen Seite ist es sehr erfreulich, dass Fortinet mit seinem starken Produktportfolio als einer der Marktführer auftreten kann, aber in manchen Fällen bieten kleine Unternehmen oder Startups passendere Lösungen an. Beispielsweise könnten Konkurrenzunternehmen mit kleineren Lösungen für spezielle Anforderungen bei Kunden punkten. Hier ist häufig Flexibilität gefragt, die bei großen Unternehmen wie Fortinet in einem hohen Maße einfach nicht möglich ist. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Unternehmen, die sich auf sehr spezielle Lösungen ausgerichtet hat. Dies kann man beispielsweise im Cloudbereich beobachten. Neben den vielen kleinen Unternehmen gibt es auch weitere große Konkurrenten wie Palo Alto Networks, Crowdstrike oder Zscaler. Der Markt im Bereich der Cybersecurity ist durchaus umkämpft, so dass Fortinet sich nicht ausruhen kann.

Materialknappheit

Als kurzfristiges Problem weist Fortinet auf Materialknappheit hin. Für viele Sicherheitslösungen werden Server und Router benötigt, die spezielle Bauteile und Chips benötigen. Aufgrund der aktuellen Chipkrise und den Problemen in den weltweiten Lieferketten, kann es dazu kommen, dass Fortinet das Material ausgeht um Produkte zu fertigen. Diese Probleme liegen nicht nur bei Fortinet, sondern auch bei deren Zulieferern. Aufgrund der hohen Nachfrage im Cybersecurity Sektor sind Verzögerungen somit nicht auszuschließen. Eine wirkliche Entspannung der Lage wird erst für Ende 2022 oder Anfang 2023 erwartet. Hier sollte die weitere Entwicklung beobachtet werden.

Aktuelle Bewertung Fortinet (Stand 24.06.2022)

Fundamental

Mit Beginn der starken Kursrallye ab Ende 2020 hat sich die Aktie immer weiter von ihrer fundamentalen Bewertung entfernt. Um einen fairen Wert zu ermitteln habe ich mir den bereinigten Gewinn der Jahre 2016 bis 2019 angesehen. Dort war das Gewinnwachstum noch höher als aktuell und das bereinigte KGV lag bei etwa 35. Dies habe ich auch als Grundlage für die Ermittlung des fairen Wertes der Aktie herangezogen. In der folgenden Grafik ist die Überbewertung der Fortinet Aktie klar zu erkennen. Aktuell liegt das bereinigte KGV bei 69 und Ende des Jahres soll dieses bei 55 liegen. Werden die Gewinne wie prognostiziert bis 2024 jährlich um rund 17% gesteigert, kommt die Aktie so langsam ihrem fairen Wert nahe. Momentan halte ich trotz der guten Wachstumsaussichten die Aktie von Fortinet für deutlich überbewertet.

Entwicklung des fairen Wertes von Fortinet nach bereinigtem KGV
Fairer Wert Fortinet nach bereinigtem KGV
Quelle: aktienfinder.net

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Technische Analyse Fortinet

Im Wochenchart lässt sich die Entwicklung der Fortinet Aktie in den vergangenen 3 Jahren sehr gut erkennen. In dem dargestellten Kursverlauf von Fortinet ist der Aktiensplit bereits berücksichtigt. Vom Tief in der Coronapandemie bei knapp 14$ kam es zu einem wahren Kursfeuerwerk, das bei einem neuen Allzeithoch bei 74$ ein Ende fand. Seit Jahresbeginn korrigiert die Aktie nun und hat den steilen Aufwärtstrend mittlerweile gebrochen. Auf Wochenbasis befindet sich die Aktie sogar schon in einem Abwärtstrend. Dennoch scheint die Widerstandszone bei 54$ am 38er Retracement der letzten Aufwärtsbewegung auf Wochenschlusskursbasis zu halten. Im Tageschart wird etwas deutlicher wo die Reise in den kommenden Wochen hingehen kann. Problematisch ist definitiv, dass unterhalb der 54$ keine nennenswerten Unterstützungen liegen. Die erste läge erst bei rund 30$ beim Hoch von Mitte 2020, das in etwa mit der 200-Wochenlinie zusammen fällt.

Technische Analyse von Fortinet im Wochenchart.
Wochenchart Fortinet

Der Tageschart von Fortinet sieht momentan auch nicht sonderlich gut aus. Der Bruch der wichtigen Unterstützung Mitte Mai leitete einen Abwärtstrend auf Tagesbasis ein, der noch aktiv. Unterhalb von 52$ ist mit einer Fortsetzung dieses Trends auszugehen. Im schlimmsten Fall droht, wie eben angedeutet, der Abverkauf bis zu 30$. Auf der bullischen Seite steht ein starker Widerstand bei rund 62$ im Weg. Dor verläuft der VPOC (höchstes Volumen) und Mitte Juni wurde an dieser Zone sehr scharf mit zwei großen Gaps abverkauft. Daher wird es nicht so leicht sein diese Zone zu überwinden. Gelingt dies läge das Kursziel beim nächsten Widerstand bei 70$. Momentan halte ich das bearische Szenario für wahrscheinlicher.

Technische Analyse der Fortinet Aktie im Tageschart
Tageschart Fortinet

Fazit zur Fortinet Aktie

Die Aktie von Fortinet erscheint fundamental überbewertet und macht aus technischer Sicht ebenfalls keinen guten Eindruck. Daran kann auch der von Fortinet vollzogene Aktiensplit nichts ändern. Mittelfristig sehe ich wenig Potential nach oben und gehe eher von fallenden oder seitwärts-laufenden Notierungen aus. Die negativen Einflüsse, die aktuell auf der Börse lasten, haben glücklicherweise nur einen geringen Einfluss auf das Geschäft von Fortinet. Langfristig bin ich überzeugt, das Fortinet weiterhin stark wachsen kann. Das Unternehmen agiert in einer der aussichtsreichsten und wichtigsten Branchen der nächsten Jahre. Daher werde ich meine Anteile weiterhin langfristig halten. Von einem neuen Einstieg würde ich in der aktuellen Situation absehen und auf einen Rücksetzer warten.

Quellen

aktienfinder.net

marketscreener.com

TradingView

Fortinet Investor Relations

Wikipedia