NEL ASA

Kurzbeschreibung

NEL ASA ist ein norwegisches Unternehmen, dass sich auf die Produktion und Verteilung von Wasserstoff spezialisiert hat. Zum Produktportfolio gehören hauptsächlich Elektrolyseure und Wasserstofftankstellen. Das Unternehmen wurde bereits 1927 gegründet und ist seit 2014 an der Osloer Börse gelistet. In Oslo hat NEL auch seinen Hauptsitz. Die Produktionsstätten von NEL liegen in Norwegen (Notodden & Herøya), Dänemark (Herning) und den USA (Wallingford). Die Leitung des Unternehmen liegt seit 2016 bei Jon Andre Løkke und die Mitarbeiterzahl überschritt zum Jahreswechsel erstmals die Marke von 300 Mitarbeiter. In den letzten Jahren hat NEL durch Kapitalerhöhungen viel Geld eingesammelt, um die Produktionskapazitäten auszubauen, um für den zukünftigen Wachstumsmarkt gerüstet zu sein.

Kennzahlen NEL (Stand 28.02.2021)

WKN: A0B733
Gewinnwachstum 5 Jahre: —
Umsatzwachstum 5 Jahre: 54,2% p.a.
KUV21e: 32
Dividendenrendite: 0,0%
Marktkapitalisierung: 3,8 Mrd. €

Unternehmensübersicht

Wie bereits in der Einleitung erwähnt konzentriert sich NEL auf die Produktion und Verteilung von Wasserstoff. Dabei steht bei der Produktion von Wasserstoff Elektrolyseure im Mittelpunkt, die mithilfe von Strom Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufspalten. Allgemein gibt es zwei verschiedene Arten von Elektrolyseuren, die mithilfe von erneuerbarer Energie sauberen Wasserstoff produzieren können. Zum einen gibt es PEM-Elektrolyseure (Protonen-Austausch-Membran) und alkalische Elektrolyseure. Beide Arten sind im Produktportfolio von NEL enthalten. Auf der anderen Seite steht die Verteilung von Wasserstoff durch die von NEL produzierten Wasserstofftankstellen.

Produktion

Momentan verfügt NEL über insgesamt vier Produktionsstandorte. In Wallingford (USA) befindet sich die Anlage zur Herstellung der PEM Elektrolyseure, die aktuell über eine jährliche Produktionskapazität von 50 MW verfügt. In Notodden und Herøya findet die Produktion der alkalischen Elektrolyseure statt. Hier wird aktuell massiv in den Ausbau investiert, so dass die Produktionskapazität schrittweise von 40 MW auf über 2 GW pro Jahr erhöht werden kann. Im dritten Quartal rechnet man hier bereits mit der Produktionsaufnahme in der ausgebauten Fabrik mit einer Kapazität von 500MW pro Jahr. Im dänischen Standort Herning stellt man die Wasserstofftankstellen her. Dort wurde der Ausbau der Kapazität bereits abgeschlossen, so dass man nun jährlich etwa 300 Wasserstofftankstellen produzieren und ausliefern kann.

Quelle: Q4 2020 Presentation NEL

Umsatzverteilung

Aus der nachfolgenden Übersicht lässt sich ablesen, dass die Bereiche Elektrolyseure und Tankstellen zu etwa gleichen Teilen zum Umsatz des letzten Geschäftsjahres beigetragen haben. Im Vergleich zum Jahr 2019 konnte bei den Tankstellen der Umsatz um 30% gesteigert werden, was auch auf den abgeschlossenen Ausbau der Kapazitäten im Werk in Herning zurückzuführen ist. Bei den Elektrolyseuren gab es nur einen moderaten Anstieg. Hier ist jedoch mit anziehenden Umsätzen zu rechnen, sobald der Ausbau im Werk in Herøya in Q3 2021 abgeschlossen ist. Die Investition in den Ausbau findet man auch weiter unten in der Übersicht. Aktuell arbeitet man noch nicht profitabel, was sich wahrscheinlich 2023/24 ändern wird. Geographisch gesehen werden die Umsätze hauptsächlich in Europa, den USA und Asien erzielt. Dies wird sich wahrscheinlich zukünftig noch ändern, da auch in anderen Teilen der Welt die Nachfrage steigen wird.

Quelle: Q4 2020 Presentation NEL

Finanzen

Die finanzielle Situation von NEL ist aktuell als sehr gut zu betrachten. NEL verfügt Ende 2020 über ein Cashpolster von etwa 223 Mio. €, das durch Kapitalerhöhungen aufgebaut worden ist. Ein Teil davon wurde bereits in den Ausbau der Kapazitäten im Werk in Herøya investiert. Demgegenüber stehen quasi keine nennenswerte Schulden. Der Schuldenstand liegt bei etwa 65 Mio. € wovon lediglich 12 Mio. € zinstragend sind. Weitere Kapitalerhöhungen scheinen derzeit nicht notwendig zu sein sofern der Ausbau der Produktionskapazität vorerst ausreicht. In den kommenden Jahren sollte man die Gewinnschwelle erreichen, so dass sich die Finanzsituation weiter verbessern kann.

Investmentgedanken / Zukunftsaussichten

Klimaschutz & erneuerbare Energie

Mit der „Fridays for Future“ Bewegung hat der Klimaschutz in den letzten Jahren enorm an Fahrt aufgenommen. Nahezu alle Industrienationen haben sich zum Klimaschutz bekannt und sich zum Ziel gesetzt den Ausstoß von Treibhausgasen zu minimieren. Essenziell dazu ist die Umstellung auf erneuerbare Energien, die nahezu überall benötigt werden. In vielen Bereichen ist man aktuell noch sehr abhängig von fossilen Energieträgern. In einigen Industriebereichen lässt sich eine Energiewende ohne die Nutzung von Wasserstoff nicht durchführen. Eine klimaneutrale Herstellung von Zement, Stahl oder Düngemitteln wird zukünftig ohne den Einsatz von H2 nicht möglich sein. Auch in anderen Bereichen wie im Schwertransport auf der Straße und auf der See macht der Einsatz von Wasserstoff durchaus Sinn, da dort die Größe der benötigten Batterien zu einem Problem wird.

NEL bietet in allen genannten Bereichen Lösungen durch seine Tankstellen und Elektrolyseure an. Daher ist NEL bestens für die Zukunft positioniert und wird von diesem Trend weiter profitieren.

Speichern & Verwenden überschüssiger Energie

Eines der größten Probleme im Bereich der erneuerbaren Energien liegt in der ungleichmäßigen Verfügbarkeit. Während ein Atom- oder Kohlekraftwerk jederzeit die Produktion erhöhen oder herunterfahren kann, ist dies bei Windkraft oder Solarenergie nicht möglich. Daher ist es besonders wichtig Speichermöglichkeiten für überschüssige Energie zu schaffen. Eine Möglichkeit besteht darin diesen Strom mittels Elektrolyse in Wasserstoff umzuwandeln. Dieser kann dann in den oben genannten Bereichen eingesetzt werden. Bei der Umwandlung geht natürlich Energie verloren, aber dies ist immer noch sinnvoller als die vorhandene Energie gar nicht zu nutzen. Für diesen Anwendungsfall bietet NEL mit seinen Elektrolyseuren das notwendige Equipment. Die steigende Nachfrage kann durch den Ausbau der Kapazitäten von NEL weiterhin bedient werden.

Beteiligungen & Kooperationen

Weiteres Potential bieten auch die Beteiligungen und Kooperationen die NEL abgeschlossen hat. Beispielsweise besitzt man 17% der Anteile an dem dänischen Wasserstoff Unternehmen Everfuel. Neben der Beteiligung kooperieren beide Unternehmen auch miteinander und treiben die Bereitstellung einer Wasserstoffinfrastruktur voran. Außerdem gründete NEL im Jahr 2017 zusammen mit PowerCell und Hexagon Composite das Joint Venture Hyon. PowerCell ist ein schwedisches Unternehmen das Brennstoffzellen entwickelt und Hexagon Composite ist ein Produzent von Wasserstofftanks. Zusammen hat man sich zum Ziel gesetzt im maritimen Bereich die Brennstoffzelle zu einer Alternative zu machen.

Eine weitere Kooperation unterhält NEL mit dem amerikanischen Unternehmen Nikola Motors, das im Bereich der LKW Produktion tätig ist. Auch hier ist das gemeinsame Ziel eine Wasserstoffinfrastruktur mit Elektrolyseuren und Tankstellen zu errichten. Zuletzt geriet Nikola jedoch aus verschiedenen Gründen negativ in die Schlagzeilen was auch einen negativen Einfluss auf NEL hatte. Mittlerweile ist die Abhängigkeit von den Aufträgen von Nikola nicht mehr so groß, so dass man wesentlich unabhängiger von diesem ambitionierten Projekt geworden ist.

Risiken

Konkurrenz

Der gesamte Markt rund um Energie ist umkämpft und NEL muss sich verschiedenen Konkurrenten stellen. Aktuell wird der Großteil des weltweiten Wasserstoffbedarfs von den beiden Gasherstellern Linde und Air Liquide produziert. Diese produzieren jedoch keinen „grünen“ Wasserstoff aus erneuerbaren Energien. Der Wasserstoff wird aus fossilen Brennstoffen gewonnen, wodurch C02 freigesetzt wird. Zukünftig wird der Trend auch bei Linde und Air Liquide zu „grünem“ Wasserstoff gehen, so dass diese mit NEL konkurrieren. Momentan gehört NEL zu den weltweit größten Herstellern von Elektrolyseuren. Dennoch gibt es auch hier Konkurrenz durch Unternehmen wie ITM Power oder auch Siemens. Außerdem könnten weitere Unternehmen in den Bereich der Wasserstoffproduktion einsteigen. Beispielsweise haben Ölkonzerne wie Shell bereits angekündigt in das Geschäft mit erneuerbaren Energien einzusteigen. Mittelfristig müssen die heutigen Tankstellen für Elektro- oder Wasserstoffautos umgerüstet werden. Daher würde es sich für diese Unternehmen anbieten ggf. selber in die Wasserstoffproduktion einzusteigen.

Technische Probleme & Ineffizienz

Weitere Risiken können in der Wasserstofftechnologie an sich liegen. Zum einen ist Wasserstoff hochexplosiv, was sich leider an einer Tankstelle in der Nähe von Oslo gezeigt hat. Dort kam es an einer von NEL ausgelieferten Tankstelle zu einer Explosion. Dabei ist glücklicherweise niemand zu Schaden gekommen, aber dieser Vorfall hat das Vertrauen in NEL und die Technologie nicht unbedingt gesteigert. Im Zuge dieses Vorfalls erwartet man auch noch eine Strafzahlung.

Das andere Risiko der Wasserstofftechnologie liegt in der Ineffizienz. Wenn man beispielsweise den Energiebedarf eines Wasserstoffautos mit dem eines Elektroautos vergleicht, wird man schnell feststellen, dass der Wirkungsgrad einer Batterie wesentlich besser ist. Ein Wasserstoffauto benötigt nach heutigem Stand 2-3 mal mehr Energie als ein batteriebetriebenes Auto. Trotzdem hat Wasserstoff wegen den oben bereits genannten Punkten natürlich seine Daseinsberechtigung. Allerdings kommt es konkret immer auf den Anwendungsfall an.

Auswirkungen von Corona

Auch NEL ist von der Coronapandemie nicht verschont geblieben. Im Jahr 2020 hätte bereits ein noch größeres Wachstum verzeichnet werden können, wenn es die Coronakrise nicht gegeben hätte. Durch Reisebeschränkungen gab es beispielsweise Verzögerungen bei Inbetriebnahmen. Die Auftragsbücher sind zwar prall gefüllt, aber dennoch könnten sich mögliche weitere Aufträge verschoben haben. Da mögliche Kunden ggf. selber in finanziellen Schwierigkeiten stecken, schieben diese Neuinvestitionen möglicherweise auf. Dies verlangsamt dann in der Folge das Umsatzwachstum bei NEL. Insgesamt ist hier das weitere Risiko jedoch als überschaubar anzusehen, da die meisten Kunden sich mittlerweile mit Corona arrangiert haben und schon wieder nach vorne blicken.

Aktuelle Bewertung NEL (Stand 28.02.2021)

Fundamental

An dieser Stelle bewerte ich in der Regel die Aktien anhand ihres historischen KGVs und KCVs. Dies ist bei NEL natürlich nicht möglich, da aktuell noch keine Gewinne erwirtschaftet werden und der Cashflow ebenfalls noch negativ ist. Fundamental macht somit nur eine Bewertung anhand des KUVs Sinn, das für das Jahr 2021 momentan bei etwa 32 liegt. Dies ist natürlich ein sehr hoher Wert, der auf eine deutliche Überbewertung durch den aktuellen Hype im H2 Bereich hindeutet. Das Thema Klimawandel und Energiewende ist in aller Munde und auch die Politik hat sich zu diesem Thema bekannt. Sofern die Politik diese Ziele einhalten möchte, wird NEL weiterhin im großen Maße profitieren. Somit ist bereits der kommende Wasserstoffboom für die kommenden Jahre beim aktuellen Kursniveau eingepreist. Aus fundamentaler Sicht würde ich somit aktuell nicht einsteigen.

Technisch

Anfang des Jahres 2021 konnte die Aktie von NEL bei etwa 35 NOK ein neues Allzeithoch erzielen. Nach einer leichten Seitwärtstendenz kam es nun zu einem Rücksetzer, der aufgrund der hohen Bewertung auf jeden Fall als gesund zu erachten ist. Aktuell befindet sich der Kurs an einem sehr interessanten Bereich. Bei etwa 24,5 NOK befindet sich das 38er Fibonacci-Retracement und kurz darunter die Verlaufshochs aus Juli & September 2020 bei etwa 23 NOK. Aus technischer Sicht ist dieser Bereich entscheidend. Wenn diese Unterstützung hält bleiben weiterhin die Bullen am Ruder. Bei einem Bruch dieser Unterstützung warten die nächsten Unterstützungen bei 18 NOK (61er Fibonacci-Retracement), 15,5 NOK (Tief September 2020 & Hoch Februar 2020), sowie beim langfristigen Aufwärtstrend und der 200 Wochen-Linie.

Wochenchart NEL

Fazit

Aus fundamentaler Sicht scheint NEL trotz des Rücksetzers immer noch deutlich überbewertet zu sein. Technisch betrachtet ist weiterhin der Aufwärtstrend intakt, wobei hier die nächsten Wochen die weitere Richtung vorgeben. Zum aktuellen Kurs würde ich nicht einsteigen, sondern erst auf einen weiteren Rücksetzer bis zu den genannten Unterstützungen warten. Nach einer erfolgten Bodenbildung könnte sich dann eine Einstiegschance bieten.

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