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Fortinet – das beste Cybersecurity Investment?

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Für die heutige Analyse nehme ich mir mit Fortinet die Aktie vor, welche 2021 die beste Performance in meinem Depot hingelegt hat. Seit meiner letzten Analyse kam es zu einem wahren Kursfeuerwerk. Jetzt ist es an der Zeit erneut auf Fortinet zu blicken, nachdem es zu Beginn des Jahres zu einem Rücksetzer kam und kürzlich die Quartalszahlen veröffentlicht wurden.

Kurzbeschreibung

Fortinet ist ein amerikanisches Unternehmen mit Hauptsitz in Sunnyvale mitten im kalifornischen Silicon Valley. Das Hauptgeschäftsgebiet ist die Entwicklung und der Vertrieb von Software, Hardware und den zugehörigen Dienstleistungen im Bereich der Informationssicherheit. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2000 durch die beiden Brüder Ken und Michael Xie, die heute immer noch an der Spitze des Unternehmens stehen. Beide besitzen 7 bzw. 8% der Anteile an Fortinet, so dass man Fortinet noch als gründergeführtes Unternehmen bezeichnen kann. Im Jahr 2009 folgte der Börsengang an der New Yorker Börse. Aktuell arbeiten weltweit etwa 9.700 Mitarbeiter für Fortinet.

Kennzahlen Fortinet

WKN: A0YEFE
Gewinnwachstum 10 Jahre: 27,3 % p.a.
Umsatzwachstum 10 Jahre: 22,4 % p.a.
KGV22e: 80
Dividendenrendite: —
Marktkapitalisierung: 45 Mrd. €

Unternehmensübersicht

Geschäftsmodell

Bei einem näheren Blick auf Fortinet stellt man schnell fest, dass das Unternehmen nahezu das komplette Spektrum der Informationssicherheit abdeckt. Die Branche ist sehr vielschichtig und daher befinden sich sowohl Hardware- als auch Software-Lösungen im Produktportfolio. Dazu zählen beispielsweise Antivirenprogramme, Firewalls, Intrusion Detection oder Endpunktsicherheit. Vieler dieser Dienste bietet Fortinet in einem Subscription-Modell an, so dass ein beträchtlicher Teil der Umsätze als wiederkehrend einzuordnen ist.

Eines der erfolgreichsten Produkte ist die FortiGate-Reihe, die als eines der ersten Produkte im Jahre 2002 auf den Markt kam. Dabei handelte es sich um eine einfache Firewall, die im Laufe der Jahre weiterentwickelt wurde. Mit der Zeit kamen z.B. Antiviren- und Antispamprogramme hinzu und auch die Einsatzweise änderte sich mit der Zeit. So war FortiGate am Anfang noch ein reales Hardwaregerät, das beim Kunden vor Ort im Einsatz war. Heutzutage können viele Funktionalitäten auch auf virtuellen Maschinen laufen und müssen nicht zwingend in Form von Hardware verkauft werden.

Quelle: Investor Presentation Dezember 2021

Neben den Produkten bietet Fortinet auch verschiedene weitere Dienstleistungen rund um das Thema Cybersecurity an. Neben dem technischen Support bietet Fortinet beispielsweise auch Zertifizierungen und Schulungen im Bereich der Informationssicherheit an oder stattet Universitäten mit Lehrmaterialien aus. Außerdem betreibt man ein eigenes Forschungsteam unter dem Namen FortiGuard Labs. Dort erforscht man mögliche Sicherheitsrisiken und veröffentlicht hilfreiche Hinweise zum Schutz vor Cyberangriffen.

Marktsituation

Da die Nachfrage nach Lösungen im Bereich der Cybersecurity stark angezogen hat, ist Fortinet nicht alleine auf dem Markt. Es gibt sehr viele größere und kleinere Unternehmen, die ebenfalls Produkte und Dienstleistungen im Bereich der Informationssicherheit anbieten. Einige davon sind schon sehr lange auf dem Markt und andere sind dagegen eher als Startups zu sehen. Fortinet schätzt seinen „Total Addressable Market“ momentan auf etwa 121 Mrd.$ ein. Dieser soll bis 2025 jährlich um etwa 10% wachsen.

Quelle: Investor Presentation Dezember 2021

Betrachtet man die komplette Branche der Informationssicherheit sind die Zahlen noch einmal etwas größer. Hier geht man von etwa 218 Mrd.$ aus mit ähnlichen jährlichen Wachstumsraten. Dies zeigt, dass Fortinet in einer der am dynamischsten wachsenden Branchen agiert. Wie wir gleich sehen werden ist Fortinet bereits seit Jahren ein hochprofitables Unternehmen. Für viele andere, teilweise sehr hoch bewertete Unternehmen, gilt dies hingegen noch nicht. Dies könnte Fortinet zukünftig in die Karten spielen.

Quelle: Statista

Umsatz- und Gewinnentwicklung

Wirft man einen Blick hinter die Umsätze, lässt sich erkennen, dass Fortinet in vielen Bereichen sehr gut diversifiziert ist. Geographisch gesehen ist der amerikanische Heimatmarkt mit einem Anteil von 26% der mit Abstand wichtigste. Die weiteren Umsätze sind weltweit sehr breit verstreut, was nochmals verdeutlicht, dass Fortinet eine sehr gut Position auf dem Markt erreicht hat. Zu den Kunden zählen neben großen Konzernen (48%) auch viele kleinere und mittelständische Unternehmen (52%). Hier kann man mit seinem sehr breiten und skalierbaren Produktportfolio auf allen Ebenen punkten. Mittlerweile wird in sämtlichen Branchen auf IT-Anwendungen zurückgegriffen, so dass es auch Bedarf an Sicherheitstechnologien in vielen verschiedenen Industrien gibt.

Quelle: Investor Presentation Dezember 2021

In den vergangenen Jahren war die Entwicklung des Umsatzes und der operativen Marge extrem erfreulich. In den vergangenen 10 Jahren konnte Fortinet seinen Umsatz jährlich um etwa 22% steigern. Dadurch verzehnfachten sich die Einnahmen von 324 Mio.$ im Jahr 2010 auf mittlerweile 3,33 Mrd.$ im Jahr 2021. Das Wachstum ist weiterhin ungebrochen, denn für das vergangene Geschäftsjahr lag das Umsatzplus bei etwa 28%. Momentan ist etwa 63% des Umsatzes als planbarer und wiederkehrender Umsatz anzusehen. Seit Anfang 2015 ist es Fortinet ebenfalls gelungen die operative Marge hochzuschrauben. Diese soll 2021 bei etwa 25% liegen und in den kommenden Jahren weiterhin leicht steigen.

Quelle: aktienfinder.net

Die anziehenden Umsätze und Margen haben es schon vermuten lassen, dass auch der Gewinn in den vergangenen Jahren kräftig gesteigert werden konnte. Hier ging es seit 2017 kräftig nach oben und auch für die kommenden Jahre geht man von weiter zulegenden Erlösen aus. Ebenfalls positiv ist die starke Entwicklung des Free-Cashflows. Diese Kennzahl ist weniger verzerrt als der Gewinn und zeigt, dass Fortinet hochprofitabel gearbeitet hat. Hier gilt es auch nochmal hervorzuheben, dass Fortinet seit dem Börsengang 2009 noch nie rote Zahlen geschrieben hat. Dies ist für ein so stark wachsendes Unternehmen in dieser Branche heutzutage eher unüblich.

Quelle: aktienfinder.net

Finanzen

Die starke Entwicklung beim Umsatz und Gewinn spiegelt sich auch in der Bilanz wieder. Den verzinsten Schulden von etwas weniger als einer Milliarde Dollar steht eine Cashposition von mehr als 2,5 Mrd.$ gegenüber. Dazu kommt noch eine jährliche Tilgungskraft von 1,2 Mrd.$. Somit kann Fortinet als schuldenfrei und finanziell bestens aufgestellt bezeichnet werden. Hier bleibt nur abzuwarten, was Fortinet zukünftig mit dem überschüssigen Kapital machen wird.

Quelle: aktienfinder.net

Investmentgedanken / Chancen

Fortschreitende Vernetzung und Digitalisierung

Die offensichtlich größte Chance bei Fortinet ist die immer weiter fortschreitende Vernetzung und Digitalisierung. Dieser Trend hat bereits vor einigen Jahren eingesetzt und wurde durch die Corona Pandemie zusätzlich weiter beschleunigt. Je mehr Endgeräte benutzt werden oder Daten über Netzwerke ausgetauscht werden, desto höher ist der Bedarf die Kommunikation abzusichern und zu schützen. Aktuell verdoppelt sich die Menge der weltweit gespeicherten Daten in etwa alle zweieinhalb Jahre. Mit zunehmenden technologischen Möglichkeiten ist davon auszugehen, dass sich dies zukünftig weiter fortsetzen wird. Als einer der Marktführer im Bereich der Informationssicherheit sollte Fortinet von diesem Trend langfristig profitieren können. Die steigenden Margen von Fortinet deuten auch darauf hin, dass das Geschäftsmodell gut skalierbar ist und die wachsende Nachfrage bedient werden kann.

Zunahme an Cyberangriffe

Mit der fortschreitenden Digitalisierung steigt auch die Zahl der registrierten Cyberangriffe. In den letzten Jahren gab es eine Vielzahl von erfolgreichen Attacken, die auch groß in den Medien thematisiert wurden. Hier wäre beispielsweise die Attacke auf Ceconomy (Saturn / MediaMarkt) zu nennen. Es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer der erfolgreichen Cyberangriffe noch wesentlich höher liegt. Viele Unternehmen treten damit nicht an die Öffentlichkeit, um ein Imageschaden zu umgehen. Im nachfolgenden Screenshot nennt Fortinet einige Zahlen, die verdeutlichen, dass Cyberangriffe für Unternehmen mehr und mehr zu einem Problem werden. Und diese sind für Unternehmen extrem kostspielig. Neben Unternehmen stehen auch Regierungen, Geheimdienste und Sicherheitsbehörden im Fokus von Hackern. In diesen Bereichen ist ein hoher Sicherheitsstandard unabdingbar, so dass hier einige Gelder zukünftig investiert werden müssen.

Quelle: Investor Presentation Dezember 2021

Innovationskraft

Seit der Gründung im Jahr 2000 hat sich Fortinet extrem innovativ gezeigt. Dies lässt sich nicht nur an der gewachsenen Produktpalette ablesen, sondern vor allem an den Patenten, die das Unternehmen angemeldet hat. Momentan besitzt Fortinet etwa 1.250 unterschiedliche Patente und hat weitere 250 beantragt. Im Vergleich zur Konkurrenz sind dies beeindruckende Zahlen. Dies spricht für die enorme Innovationskraft von Fortinet, die mit den Patenten zusätzlich ihr Geschäft schützen können. Die Fähigkeit neue Lösungen und Produkte zu entwickeln wird auch in Zukunft sehr wichtig sein, da Kriminelle immer wieder neue Sicherheitslücken finden und diese nutzen wollen. Mit dem bereits zuvor erwähnten eigenen Forschungsteam sorgt man dafür, dass frühzeitig Gefahren erkannt und beseitigt werden können.

Risiken

Sicherheitslücken im Produkt

Die Kunden von Fortinet legen aller höchsten Wert auch die Sicherung ihrer Kommunikation und ihrer Systeme. Falls es trotz des Einsatzes der Produkte von Fortinet zu erfolgreichen Hackerangriffen kommt, wäre dies für das Unternehmen durchaus problematisch. Solche Sicherheitslücken können nie ganz ausgeschlossen werden und wären je nach Einsatzort für den Kunden und damit auch für Fortinet fatal. Im schlimmsten Fall führt dies nicht nur zu einem Reputationsverlust, sondern auch zu möglichen Schadensersatzforderungen. Für ein Unternehmen im Bereich der Cybersecurity ist der Ruf und das Vertrauen enorm wichtig. In der Vergangenheit hat es immer wieder solche Fälle gegeben, so dass dies in Zukunft nicht auszuschließen ist.

Konkurrenzprodukte

Auf der einen Seite ist es sehr erfreulich, dass Fortinet mit seinem starken Produktportfolio als einer der Marktführer auftreten kann, aber in manchen Fällen bieten kleine Unternehmen oder Startups passendere Lösungen an. Beispielsweise könnten Konkurrenzunternehmen mit kleineren Lösungen für spezielle Anforderungen bei Kunden punkten. Hier ist häufig Flexibilität gefragt, die bei großen Unternehmen wie Fortinet in einem hohen Maße einfach nicht möglich ist. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Unternehmen, die sich auf sehr spezielle Lösungen ausgerichtet hat. Dies kann man beispielsweise im Cloudbereich beobachten. Neben den vielen kleinen Unternehmen gibt es auch weitere große Konkurrenten wie Palo Alto Networks, Crowdstrike oder Zscaler. Der Markt im Bereich der Cybersecurity ist durchaus umkämpft, so dass Fortinet sich nicht ausruhen kann.

Materialknappheit

Als kurzfristiges Problem weist Fortinet auf Materialknappheit hin. Für viele Sicherheitslösungen werden Server und Router benötigt, die spezielle Bauteile und Chips benötigen. Aufgrund der aktuellen Chipkrise und den Problemen in den weltweiten Lieferketten, kann es dazu kommen, dass Fortinet das Material ausgeht um Produkte zu fertigen. Diese Probleme liegen nicht nur bei Fortinet, sondern auch bei deren Zulieferern. Aufgrund der hohen Nachfrage im Cybersecurity Sektor sind Verzögerungen somit nicht auszuschließen. Eine wirkliche Entspannung der Lage wird erst für Ende 2022 oder Anfang 2023 erwartet. Hier sollte die weitere Entwicklung beobachtet werden.

Aktuelle Bewertung Fortinet

Fundamental

Nachdem wir das Geschäftsmodell und die prächtige Entwicklung und die guten Aussichten von Fortinet kennengelernt haben, kommen wir zur alles entscheidenden Frage nach der aktuellen Bewertung. Es ist nicht verwunderlich, dass Fortinet fundamental betrachtet extrem hoch bewertet ist. Zur Bewertung eignen sich aus meiner Sicht besonders der historische KCV (Schnitt von 21) und der bereinigte KGV. (Schnitt von 46). Diese haben in der Vergangenheit den Kursverlauf relativ gut begleitet. Im vergangenen Jahr hat sich das Wachstum etwas beschleunigt, so dass es zu einer dynamischen Kursrallye kam. Meiner Meinung nach ist zwar dadurch eine etwas höhere Bewertung gerechtfertigt, aber ich sehe die Aktie aktuell dennoch stark überbewertet.

Ein durchschnittliches bereinigtes KGV von 46 ist auch schon als ziemlich hoch anzusehen. Für das Jahr 2022 liegt das bereinigte KGV sogar bei 63, so dass ich zum aktuellen Kurs nicht einsteigen würde. Der faire Wert für die kommenden Jahre liegt deutlich unter dem aktuellen Kursniveau.

Quelle: aktienfinder.net

Ähnlich verhält es sich auch bei der Bewertung anhand des Kurs-Umsatz-Verhältnis. Dieses pendelte in den vergangen Jahren zwischen 4 und 8 und lag im Schnitt bei etwa 7. Im vergangen Jahr schoss das KUV auf teilweise über 18 und liegt momentan bei etwa 14,5. Auch nach dieser Betrachtung wird die aktuelle Überbewertung deutlich.

Quelle: aktienfinder.net

Technisch

Aus Charttechnischer Sicht konnte sich Fortinet trotz des Ausverkaufs im Tech-Bereich relativ gut halten. Dennoch hat sich das Bild in den letzten Wochen etwas eingetrübt. Zwar konnte die wichtige Unterstützung im Bereich von 285$ zurückerobert werden, aber im Tageschart hat man einen aktiven Abwärtstrend. Wenn die genannte Unterstützung und die 200 Tagelinie nicht halten, ist von weiter fallenden Kursen auszugehen. Unterhalb von 262$ muss man mit einem deutlichen Rücksetzer auf die Zone um die 200$ ausgehen. Um den aktuell aktiven Abwärtstrend zu brechen, müsste die Marke von 330$ überwunden werden. In diesem Fall wären neue Allzeithochs möglich. Momentan rechne ich jedoch eher mit dem bearishen Szenario.

Quelle: tradingview.com

Fazit

Aus Investorensicht halte ich Fortinet für das beste Unternehmen im Bereich der Cybersecurity. Das Geschäftsmodell ist hochprofitabel und wächst und die Bilanz sieht prächtig aus. Auf der anderen Seite hat der Markt erkannt, welche Chancen die Branche bietet und wie gut Fortinet aufgestellt ist. Daher ist die Aktie momentan weiterhin sehr hoch bewertet. Qualitätsaktien haben leider ihren Preis. Im aktuell sehr volatilen Markt würde ich daher eher von einem Einstieg absehen, da mittelfristig schon sehr viel positive Entwicklung eingepreist ist. In den letzten Tagen konnte man leider bei PayPal und Meta sehen was passiert, wenn die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden können. Langfristig bin ich jedoch überzeugt, dass Fortinet eine gute Entwicklung bevorsteht. Falls man dennoch jetzt einen Fuß in die Tür bekommen möchte bietet sich ggf. ein Sparplan an, um das Risiko etwas zu senken.

Ich persönlich habe Ende Dezember einen Drittel meiner Fortinet Position verkauft und damit meinen Einsatz wieder herausgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war mir die Aktie zu heiß gelaufen und seitdem gab es auch einen Rücksetzer. Meine restliche Position werde ich langfristig halten.

Quellen

aktienfinder.net

marketscreener.com

TradingView

Fortinet Investor Relations

Wikipedia

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