BYD – E-Mobilität aus dem Reich der Mitte

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Bei BYD handelt es sich um einen chinesischen Mischkonzern mit Hauptsitz in der Sonderwirtschaftszone Shenzhen. Shenzhen ist der wichtigste chinesische Standort in Sachen Technologie und Wirtschaft und kann mit dem amerikanischen Silicon Valley verglichen werden. Der Konzernname BYD steht als Abkürzung für „Build Your Dreams“. Das Unternehmen wurde 1995 vom Chemiker Wang Chuanfu gegründet und ist seit 2002 an der Börse in Hong Kong gelistet. In den letzten 25 Jahren konnte BYD ein rasantes Wachstum hinlegen und beschäftigt aktuell etwa 229.000 Mitarbeiter. Zu den wichtigsten Produkten von BYD zählen Autos (sowohl E-Autos als auch Verbrenner), elektrische Busse, Akkumulatoren, Batterien, Elektro-Monorails und Zubehör für Mobiltelefone. Zu den größten Anteilseignern gehört Warren Buffet, der mit sein Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway 24,6% von BYD besitzt.

Kennzahlen

WKN: A0M4W9
Gewinnwachstum 5 Jahre: -14,15% p.a.
Umsatzwachstum 5 Jahre: 8,16% p.a.
KGV20e (bereinigt): 65
Dividendenrendite: 0,07%
Marktkapitalisierung: 31 Mrd. €

Marktsituation & Geschäftsbereiche

In diesem Abschnitt schauen wir uns die Umsatzverteilung nach Sektoren genauer an. Bei der danach folgenden Betrachtung der Konkurrenz beschränke ich mich auf den sehr interessanten Bereich der Elektromobilität, da dort die großen Wachstumschancen von BYD liegen. Dennoch bestehen natürlich auch im Bereich des Zubehörs für Mobiltelefone und anderen elektrischen Geräten zukünftig noch Wachstumschancen. Dort ist der Markt sehr umkämpft und bereits deutlich weiter fortgeschritten als in der E-Mobilität.

Umsatzverteilung

Der Umsatz von BYD lässt sich in 3 Bereiche einteilen. Dazu zählen „Automobiles & Related Products“, „Batteries & Photovoltaic“ und „Handset Components & Assembly Services“.

Automobiles & Related Products

Der umsatzstärkste Sektor mit einem Anteil von 49% ist die Produktion von Automobilen. Neben den Autos umfasst dieser Bereich auch Nutzfahrzeuge und Monorails. Im Vergleich zu 2018 ist der Umsatz in diesem Bereich deutlich zurückgegangen. Dies lag insbesondere an der Subventionskürzung für Elektroautos in China. In Zahlen ausgedrückt sank der Umsatz von 71 Mrd RMB auf 59 Mrd RMB, was einem Rückgang von etwa 17% entspricht. Trotz dieses Rückgangs liegt das größte Potential von BYD in diesem Bereich. Darauf werde ich bei der Betrachtung der Chancen noch weiter eingehen. Aktuell ist jedes zweite verkaufte Auto von BYD ein Elektrofahrzeug oder eine Hybridlösung.

Handset Components & Assembly Services

Der zweite große Sektor umfasst das Zubehör für elektronische Geräte und insbesondere Mobiltelefone. BYD selber vertreibt keine eigenen Handys, sondern agiert als Zulieferer von verschiedenen Komponenten. Dazu zählen beispielsweise Gehäuse, Batterien oder ähnliches. Von 2018 auf 2019 konnte der Umsatz in diesem Bereich um etwa 26% auf 52 Mrd RMB gesteigert werden. Dadurch liegt liegt der Anteil am Gesamtumsatz mittlerweile bei 43%, was natürlich auch auf die Schwäche bei den Automobilien zurückzuführen ist.

Batteries & Photovoltaic

Bleibt abschließend noch der Bereich der Batterien und Photovoltaik, der im Jahr 2019 8% des Gesamtumsatzes ausmacht. Der Umsatz konnte von 8,6 Mrd RMB auf 9,7 Mrd RMB im Jahr 2019 gesteigert werden, was einen Zuwachs von etwa 13% entspricht. Im Hinblick auf die E-Mobilität ist im Bereich der Batterie Technologie noch deutliches Potential vorhanden. Aktuell gibt es nur eine Handvoll Batterieproduzenten für Elektroautos. Viele große Automobilkonzerne müssen diese extern einkaufen und besitzen noch nicht die Möglichkeit dies selber zu tun.

Umsatzverteilung BYD 2018 & 2019 (Quelle: Jahresabschluss 2019)

Konkurrenz

In den letzten Jahren hat der Trend hin zur E-Mobilität immer mehr Fahrt aufgenommen. Durch Klimawandel und Luftverschmutzung sowie Weiterentwicklung der E-Technologie scheinen die Tage der Verbrennungsmotoren langsam gezählt zu sein. Immer mehr alteingesessene Autohersteller und neue Konzerne wollen von diesem Trend profitieren. Umso erfreulicher ist es aus Sicht von BYD hinter Tesla der zweitgrößte Elektroautobauer der Welt zu sein. Besonders wichtig für BYD ist der chinesische Markt, wo aktuell 84% des Umsatzes erwirtschaftet wird. Durch staatliche Subventionen stieg die Anzahl der jährlich verkauften E-Autos von 59.000 im Jahr 2014 auf über 1,2 Mio im Jahr 2018 an. Danach stagnierte der Absatz aufgrund der zurückgefahrenen Subventionen etwas. Dennoch hat BYD im Vergleich zur Konkurrenz eine gute Marktposition und verfügt dank der eigenen Batterieproduktion über eine vergleichsweise lange Wertschöpfungskette.

Verkaufte Elektrofahrzeuge im Jahr 2019 (Quelle: http://statista.com)


Ein weiterer bedeutender Markt für BYD sind Elektrobusse, die mittlerweile in die ganze Welt exportiert werden. Viele bekannte Bushersteller wie MAN oder Daimler haben hier den Trend zum Elektrobus verschlafen. Von dem Modell BYD ebus wurden bereits mehr als 50.000 Exemplare verkauft, was BYD zum größten Elektrobus Hersteller der Welt macht. Auch hier hat BYD im Vergleich zur Konkurrenz bereits eine sehr gute Marktposition erarbeitet und liefert sogar eine E-Version der klassischen Doppeldecker Busse nach London aus. Ein Großteil der Busse von BYD wurde in China in Städte wie Shanghai oder Shenzhen verkauft. Der Export der Busse, insbesondere nach Europa, nimmt jedoch immer weiter zu.

Chancen / Investmentgedanken

Eigene Batterieproduktion

BYD ist einer der wenigen Konzerne, der in der Lage ist Batterien für Elektroautos und -busse herzustellen. Viele Konkurrenten auf diesem Markt müssen die Batterien für ihre Modelle teuer zukaufen. Momentan liegt BYD hinter Panasonic und CATL auf Platz drei bei der jährlich produzierten Gesamtkapazität der Batterien. Es ist nicht zu erwarten, dass es auf dem Batteriemarkt zu sehr schnellen Verschiebungen kommt, da der Aufbau einer Batterieproduktion lange dauert und das entsprechende Know-how erfordert. BYD hat in den letzten Jahren eine Menge Geld in die Forschungsarbeit investiert und beschäftigt mehr 10.000 Wissenschaftler in der Entwicklung der neuen Technologien. BYD verwendet die Batterien nicht ausschließlich selber, sondern verkauft diese auch andere Konzerne wie Ford oder Jaguar.

Im Bereich der Batterien könnte sich die hohe Investition in Forschung und Entwicklung bereits zeitnah auszahlen. Mit der „Blade Battery“ kommt dieses Jahr eine neue Batterie auf dem Markt, die deutlich sicherer, platzsparender und leistungsstärker ist. Die Batterie bleibt während des Betriebs deutlich kühler, was die Brandgefahr senkt und verwendet einen anderen Batterietyp. Es handelt sich dabei um eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie statt einer herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterie. Bisher war das Problem dabei, dass Lithium-Eisenphosphat-Batterien zu groß waren für den Automobilbereich. Durch die kompakte Bauweise konnte BYD dieses Problem umgehen. Außerdem wird dadurch der Bedarf an selten Rohstoffen wie Nickel, Mangan und Kobalt gesenkt.

Neues Autodesign

Bisher war BYD zwar in der Lage gute Elektroautos zu bauen, aber diese sind häufig aufgrund ihres Designs nicht sehr gut angekommen. Mit Wolfgang Egger konnte BYD Ende 2016 den ehemaligen Chefdesigner von Audi für sich gewinnen. Ein erstes Entwicklungsergebnis ist die neue Limousine BYD Han, die Ende des Jahres auf den Markt kommt und die zuvor beschriebene Blade Battery verwendet. Der Han hebt sich optisch deutlich von seinen Vorgängermodellen ab und scheint sehr gut anzukommen. Zwei Monate nach der Vorstellung sind bereits über 40.000 Bestellungen eingegangen. Mit diesem Modell versucht BYD nicht nur den chinesischen Markt zu adressieren, sondern auch den europäischen Markt. Die Markteinführung beginnt wahrscheinlich in Norwegen aufgrund der großen Nachfrage und der staatlichen Förderung. In Deutschland soll der Han ebenfalls bald auf den Markt kommen.

Elektrifizierung des öffentlichen Nahverkehrs

Bei einem genaueren Blick in das Produktportfolio ist sofort zu erkennen, dass BYD als Produzent für Fahrzeuge des öffentlichen Nahverkehrs bestens aufgestellt ist. Heutzutage verwenden ein Großteil der weltweit betriebenen Busse noch Verbrennungsmotoren. Aufgrund des Trends hin zu klimaneutralen Verkehrsmitteln wird in den kommenden Jahren die Nachfrage nach Elektrobussen massiv ansteigen. Davon wird BYD mit ziemlich Sicherheit profitieren können, da sie aktuell bereits der weltweit größte Hersteller von Elektrobussen sind. Viele etablierte Hersteller aus diesem Bereich wie MAN oder Daimler stehen hier erst in den Startlöchern. Daher sollte die Marktposition von BYD zunächst nicht Gefahr sein. Die Busse von BYD fahren bereits über 300 Städten in 50 verschiedenen Ländern.

Zusätzlich vertreibt BYD Monorails, die ebenfalls im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs relevant sind. Hier besteht in Zukunft ebenfalls noch einiges an Potential, da in dicht besiedelten Städten langsam der Platz für weitere Verkehrsteilnehmer auf den Straßen ausgeht. Die Monorail kann oberhalb der Straßen gebaut werden, so dass der Platz dort effizient genutzt wird. Einen Eindruck der Monorail kann man beispielsweise in diesem Video erlangen.

Risiken

Politisches Risiko in China

Bei jeder Investition in China spielen natürlich die politischen Risiken eine große Rolle. Der chinesische Markt ist extrem abhängig von von den Entscheidungen der Regierung, so dass es sich nicht um einen freien Markt handelt. Diese Abhängigkeit ist auch bei BYD schon zu einem Problem geworden, als letztes Jahr die staatlichen Förderungen für Elektroautos eingestellt wurde. Ohne diese Subvention ist der Absatz an Elektroautos direkt massiv eingebrochen. Dementsprechend ist der Gewinn zuletzt auch relativ stark zurückgegangen. Solche Effekte können aufgrund politischer Einflüsse jederzeit wieder auftreten. Dessen muss man sich bei einer Investition in China immer bewusst sein.

Konkurrenzkampf

Aktuell befindet sich die Automobilbranche im größten Umbruch ihrer Geschichte. Der Weg vom Verbrennungs- zum Elektromotor stellt die vielen etablierten Konzerne vor eine große Herausforderung. Zusätzlich dringen neue Unternehmen wie Tesla, BYD oder Nio in den globalen Markt, die sich auf Elektroautos spezialisiert haben. Um neue Marktanteile zu gewinnen bzw. zu verteidigen ist somit ein großer Konkurrenzkampf entfacht. Wie oben bereits beschrieben liegt BYD aktuell noch auf Platz 2 bei der Anzahl der verkauften Elektroautos, aber die Konkurrenz wird in den nächsten Jahren sehr stark wachsen. Tesla steht mit seinem Model 3 noch am Anfang und VW drängt ebenfalls mit dem ID.3 und ID.4 in den Massenmarkt. Sollte der neue BYD Han erfolgreich in den Markt eingeführt werden, ist BYD auf jeden Fall auf einem guten Weg. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Konkurrenz sehr schnell an BYD vorbeiziehen wird. Es wird auf jeden Fall ein sehr umkämpftes Marktumfeld geben.

Aktuelle Bewertung

Da BYD ein Wachstumsunternehmen in einer zyklischen Branche ist, fällt eine Bewertung nicht gerade leicht. Nach einer jahrelangen Seitwärtsbewegung folgte nach dem Coronacrash ein sehr starker Anstieg bei dem sich die Aktie innerhalb eines Jahres verdreifacht hat. BYD hat in den letzten Jahren auch sehr viel in Forschung und Entwicklung investiert, so dass die Gewinne immer recht schmal ausgefallen sind. Bei einer optimistischen Annahme, dass sich dies nun auszahlen wird, scheint die neue Bewertung mehr als gerechtfertigt. Insbesondere die neue Batterietechnik und der neu vorgestellte BYD Han lassen darauf hoffen.

Da sowohl der Gewinn als auch der Cashflow sehr stark schwankt, ist es relativ schwer einen fairen Wert zu ermitteln. Die Bewertung in der Grafik basiert auf einem durchschnittlichen KGV von 65 (grüne Linie) und einem KCV von 25 (braune Linie). Demnach wäre die Aktie aktuell leicht überbewertet. Allerdings könnte sich dies relativ schnell ändern, wenn die Prognosen für die kommenden Jahre erfüllt werden können. Wie schnell dies gehen kann sieht man im Jahr 2016. Dort gab es einen enormen Gewinnanstieg und die Aktie notierte bei einem KGV von etwa 20. Langfristig sehe ich einen fairen KGV bei weiterem Wachstum bei etwa 30-35. Wenn man diesen KGV zugrunde legt und von einem Gewinn- und Umsatzwachstum in den kommenden Jahren ausgeht, sollte die Aktie immer noch relativ fair bewertet sein. Im Vergleich zu anderen reinen E-Auto Konzernen ist die Bewertung in jedem Fall günstig. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass BYD schon lange schwarze Zahlen schreibt.

Quelle: http://aktienfinder.net
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