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Zu welcher Uhrzeit sollte man ausländische Aktien kaufen?

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In einem meiner meistgelesenen Beiträge habe ich beschrieben, zu welcher Uhrzeit man japanische Aktien kaufen sollte, um den Spread möglichst gering zu halten. Die Resonanz hat mir gezeigt, dass das Thema viele Anleger beschäftigt, und zwar längst nicht nur bei japanischen Werten. Das Grundproblem betrifft nämlich jede ausländische Aktie, deren Heimatbörse zu unseren üblichen Handelszeiten geschlossen ist. In diesem Beitrag verallgemeinere ich die Überlegung daher auf alle Regionen und zeige, wann die Faustregel wirklich greift und wann man sie getrost etwas lockerer sehen darf.

Warum die Heimatbörse den Spread bestimmt

Der Spread, also die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs, ist nichts anderes als der Preis für die sofortige Handelbarkeit einer Aktie. Gestellt wird dieser Preis von sogenannten Market Makern, die an Handelsplätzen wie Lang & Schwarz, Tradegate oder gettex laufend Kauf- und Verkaufskurse anbieten. Damit ein Market Maker das für ihn gefahrlos tun kann, muss er die Aktie im gleichen Moment an ihrer Heimatbörse absichern können.

Und genau hier liegt der Kern des Problems. Ist die Heimatbörse geöffnet, kann der Market Maker seine Position jederzeit glattstellen und trägt kaum Risiko. Entsprechend eng stellt er den Spread. Ist die Heimatbörse dagegen geschlossen, weiß er nicht, wo die Aktie bei der nächsten Eröffnung stehen wird. Dieses Risiko lässt er sich bezahlen, und zwar über einen breiteren Spread. Die Uhrzeit entscheidet also nicht direkt über den Kurs, sondern darüber, wie teuer der Zugang zur Aktie in diesem Moment ist.

Der Blick auf die Regionen

Wie groß das Problem ausfällt, hängt entscheidend davon ab, aus welchem Land die Aktie stammt. Die folgende Übersicht zeigt die Haupthandelszeiten der wichtigsten Regionen in mitteleuropäischer Zeit und wie stark sie sich mit unseren deutschen Handelszeiten überschneiden.

RegionHaupthandelszeit (MEZ)Überschneidung mit Deutschland
USA (NYSE, Nasdaq)15:30 – 22:00 Uhrsehr hoch
Europa (London, Paris, Amsterdam, Zürich)ca. 09:00 – 17:30 Uhrvollständig
Japan (Tokio)01:00 – 07:30 Uhrsehr gering
China / Hongkong02:30 – 09:00 Uhrgering
Südkorea (Seoul)01:00 – 07:30 Uhrsehr gering

Bei US-Aktien ist die Sache am einfachsten. Die amerikanische Haupthandelszeit von 15:30 bis 22:00 Uhr fällt vollständig in die deutschen Handelszeiten, und da amerikanische Aktien ohnehin das größte Handelsvolumen der Welt aufweisen, sind die Spreads am Nachmittag und Abend meist sehr eng. Wer eine US-Aktie kauft, sollte dies also nach 15:30 Uhr tun, wenn die Wall Street geöffnet hat.

Bei europäischen Aktien aus London, Paris, Amsterdam oder Zürich stellt sich das Problem praktisch gar nicht. Diese Börsen handeln nahezu parallel zu Xetra, ihre Haupthandelszeit deckt sich mit unserer. Ein Kauf zwischen dem Vormittag und dem frühen Nachmittag ist hier unkritisch.

Der eigentliche Problemfall sind die asiatischen Aktien. Ob Tokio, Hongkong, Shanghai oder Seoul, all diese Börsen schließen, bevor der deutsche Handel richtig in Fahrt kommt. Für sie gilt genau das, was ich im Japan-Beitrag ausführlich beschrieben habe. Man sollte den frühen Morgen nutzen, solange sich die Heimatbörse noch mit den deutschen Handelsplätzen überschneidet, in der Sommerzeit also grob bis 08:30 Uhr z.B. über Lang & Schwarz oder Tradegate.


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Wann die Regel weniger streng gilt

So einleuchtend die Faustregel ist, so wichtig ist die Einschränkung. Der eigentliche Treiber des Spreads ist nicht die Uhrzeit an sich, sondern die Liquidität. Eine sehr liquide Aktie wie Toyota oder Nestlé lässt sich auch außerhalb der Heimatzeit noch passabel handeln, während ein illiquider Nebenwert selbst zur besten Handelszeit einen breiten Spread aufweist. Die Uhrzeit ist also ein guter Anhaltspunkt, aber kein Naturgesetz.

Darüber hinaus gibt es zwei elegante Wege, das Problem zu umgehen. Viele ausländische Konzerne sind als ADR an den US-Börsen notiert, also als hinterlegte Zertifikate auf die Originalaktie. Über diesen Umweg lässt sich zum Beispiel ein japanischer oder koreanischer Wert während der gut überschneidenden US-Handelszeit kaufen. Und wer ohnehin breit investieren möchte, greift statt zur Einzelaktie zum ETF. Deren Market Maker können sich über Futures und Terminmärkte absichern und stellen dadurch oft auch dann noch enge Spreads, wenn die einzelnen Heimatbörsen längst geschlossen sind.

Ein Punkt, den viele Anleger unterschätzen, ist schließlich der Währungsspread. Bei jeder ausländischen Aktie, die in Euro gehandelt wird, ist zusätzlich zur eigentlichen Geld-Brief-Spanne noch die Umrechnung von der Fremdwährung eingepreist. Dieser Anteil bleibt bestehen, unabhängig davon, zu welcher Uhrzeit man handelt. Auch das ist ein guter Grund, unnötige Zusatzkosten wie einen zu breiten Spread zur falschen Tageszeit zu vermeiden.

Fazit

Als Faustregel gilt, dass man eine ausländische Aktie möglichst dann kaufen sollte, wenn ihre Heimatbörse geöffnet ist. Für US-Werte bedeutet das den Nachmittag ab 15:30 Uhr, für europäische Werte den Vormittag und für asiatische Werte den frühen Morgen. Entscheidend ist am Ende aber nicht die Uhr, sondern die Liquidität. Bei sehr liquiden Titeln, ADRs und ETFs darf man die Regel deutlich entspannter auslegen, während sie bei illiquiden Nebenwerten aus Fernost besonders streng gilt.

Selbstverständlich sind dies nur Hinweise, um einen möglichst geringen Spread beim Kauf zu erhalten. Sie bedeuten im Umkehrschluss ausdrücklich nicht, dass eine Aktie zu diesen Zeiten grundsätzlich am günstigsten ist.

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