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Visa Aktie – Probleme durch Zinsdeckel von Trump?

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Die Visa Aktie gehört für viele Investoren schon seit über einem Jahrzehnt zum festen Inventar in einem qualitätsorientierten Depot. Das Unternehmen profitiert von einem außerordentlich stabilen Geschäftsmodell, das tief im globalen Kreditkartengeschäft verwurzelt ist und als Rückgrat des weltweiten Zahlungsverkehrs fungiert. Besonders die Kombination aus hohem Wachstum und beeindruckend hohen Margen macht die Visa Aktie für langfristig orientierte Anleger so interessant. Doch der Beginn des Jahres 2026 hielt für die Aktionäre einige unangenehme Überraschungen bereit. US Präsident Trump möchte die Kreditkartenzinsen deckeln, was eine hitzige Debatte über die zukünftige Profitabilität der gesamten Branche auslöste. Die Ankündigung von Trump schickte die Aktie von Visa und der anderen großen Anbieter kurzzeitig in den Keller.

In dieser Analyse möchte ich genauer betrachten, was die Ankündigung von Trump für die Visa Aktie bedeutet und wie die allgemeinen Aussichten für das Unternehmen sind. Bevor wir jedoch tiefer Analyse einsteigen, werfen wir zunächst wie immer einen detaillierten Blick auf die letzten Quartalszahlen.

Geschäftszahlen

Übersicht der Geschäftszahlen zum ersten Quartal 2026 von Visa
Visa Q1 2026
Quelle: Visa Q1 2026 Presentation

Bei Visa ist das Geschäftsjahr traditionell verschoben und endet bereits zum 30. September eines jeden Jahres. Aus diesem Grund liegen uns zum jetzigen Zeitpunkt im Februar bereits die Zahlen zum ersten Quartal 2026 vor. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um beachtliche 15 % auf nunmehr 10,9 Milliarden US-Dollar. Auch beim Gewinn konnte das Unternehmen glänzen, denn nach Non-GAAP Finanzzahlen lag das Ergebnis bei starken 6,1 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht einem Zuwachs von 12 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die operative Marge lag somit bei 56 %, was im Vergleich zu anderen Branchen ein absoluter Spitzenwert ist.

Es gab in diesem Quartal verschiedene Treiber für das Wachstum, die zeigen, dass die Visa Aktie trotz der Rhetorik von Trump operativ hervorragend aufgestellt ist. Insbesondere die länderübergreifenden Transaktionen legten mit einem Plus von 12 % kräftig zu, was vor allem auf die anhaltende Erholung und den Ausbau des internationalen Reiseverkehrs sowie des grenzüberschreitenden E-Commerce zurückzuführen ist. Aber auch die reine Anzahl der Transaktionen sowie das gesamte Transaktionsvolumen stiegen im hohen einstelligen Prozentbereich an.

Aktuelle Entwicklung

Die jüngsten politischen Impulse in den USA haben kurzfristig für eine deutlich erhöhte Volatilität bei Finanzwerten gesorgt. Präsident Donald Trump brachte Anfang 2026 einen Vorschlag ins Spiel, die Zinsen auf Kreditkartenschulden auf maximal etwa 10 % zu begrenzen. In Finanzkreisen wird dieser Schritt oft als ein sehr riskanter Eingriff in das traditionelle Kreditkartenmodell bewertet, da er die Preisgestaltung der Banken massiv einschränken würde. Für den Zahlungsnetzwerkbetreiber selbst sind die direkten Auswirkungen dieses Vorhabens von Trump zwar begrenzt, da die Unternehmen selbst keine Kredite vergeben. Visa agiert vielmehr als Technologieplattform, welche die Abwicklung von Transaktionen und das Routing zwischen den Banken und den Händlern übernimmt, ohne dabei das Ausfallrisiko der Kredite zu tragen.

Dennoch kann eine gesetzliche Zinsobergrenze indirekt erhebliche Folgen für das gesamte Ökosystem haben. Banken und Kartenemittenten könnten angesichts der geringeren Margen bei ihren Kreditkartenengagements deutlich restriktiver bei der Vergabe neuer Kredite werden oder sogar die Anzahl der ausgegebenen Karten reduzieren. Dies würde das Volumen im Netzwerk verringern, wovon letztlich auch die Visa Aktie betroffen wäre, wenn Trump sein Vorhaben in dieser Form durchsetzt. Es bleibt abzuwarten, wie viel von dieser Rhetorik tatsächlich in geltendes Recht gegossen wird. Der US-Markt ist und bleibt der wichtigste Markt für Visa.

Wachstumsraten gesamten Transaktionen nach Region von Visa
Visa Volumen Wachstum
Quelle: Visa Q1 2026 Presentation

Während politische Unsicherheiten oft kurzfristige Schwankungen verursachen können, liegt ein wesentlicher langfristiger Wachstumstreiber für Visa in der strategischen Weiterentwicklung seines Produktportfolios jenseits der klassischen Kartenmautsysteme. Ein klarer Schwerpunkt liegt aktuell auf neuen Account-to-Account-Zahlungslösungen, die auch als A2A-Lösungen bekannt sind. Diese ermöglichen Bank-zu-Bank-Transaktionen in einer Geschwindigkeit und Sicherheit, die durch die bewährten Standards des Visa-Netzwerks geschützt sind. In Großbritannien wurde bereits die erste kommerzielle A2A-Transaktion erfolgreich abgeschlossen. Diese Technologie soll Verbrauchern und Händlern eine deutlich bessere Kontrolle über wiederkehrende Zahlungen und variable Abrechnungen geben, während gleichzeitig der Schutz gegen Betrug massiv verbessert wird. Dies öffnet dem Unternehmen die Tür zu völlig neuen Märkten, in denen die klassische Kartenzahlung bisher weniger relevant war.

Parallel dazu baut das Unternehmen seine Krypto- und digitale Asset-Infrastruktur konsequent aus. Visa erweitert die Unterstützung für mehrere Stablecoins über verschiedene Blockchains und verknüpft damit traditionelle Zahlungsnetze mit modernen tokenisierten Werten. Diese Entwicklung zielt darauf ab Stablecoins im täglichen Zahlungsverkehr breiter nutzbar zu machen. Dies kann durch Kartenprodukte, die solche Zahlungen integrieren, oder durch rein technische Lösungen für die Abwicklung von Transaktionen umgesetzt werden. Die strategische Integration digitaler Vermögenswerte kann langfristig helfen, die traditionellen Dienste zu ergänzen oder in bestimmten Segmenten sogar zu substituieren.

Übersicht verschiedener Innovationen von Visa in den letzten Jahren
Visa Innovationen
Quelle: Visa Investor Day 2025
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Ausblick Visa

Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass das Management trotz der aktuellen Herausforderungen sehr optimistisch bleibt. Für das kommende zweite Quartal und das gesamte laufende Geschäftsjahr 2026 erwartet Visa ein Umsatzwachstum im niedrigen zweistelligen Bereich. Gleiches gilt laut den Prognosen auch für den Gewinn, was die Robustheit des Geschäftsmodells unterstreicht. Dies deckt sich zudem mit den allgemeinen Analystenerwartungen, die den bereinigten Gewinnzuwachs pro Jahr bei etwa 12 % bis zum Jahr 2028 erwarten.

Im ersten Quartal lag der Free Cashflow bei beeindruckenden 6,4 Milliarden US-Dollar, was dem Unternehmen einen enormen finanziellen Spielraum verschafft. So konnten Aktienrückkäufe in Höhe von 3,77 Milliarden US-Dollar getätigt und Dividenden in Höhe von 1,29 Milliarden US-Dollar an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Das Management hat bereits signalisiert, dass dieser Kurs auch in den kommenden Quartalen fortgesetzt werden soll. Die aktuelle Dividendenrendite beträgt momentan rund 0,8 %. Dies erscheint auf den ersten Blick gering, aber durch das hohe jährliche Wachstum der Ausschüttungen ist dies für Langfristinvestoren dennoch sehr attraktiv.

Ausblick auf das Geschäftsjahr 2026 von Visa
Visa Ausblick
Quelle: Visa Q1 2026 Presentation

Fundamentale Bewertung Visa

Betrachtet man die Visa Aktie auf Basis fundamentaler Daten, lässt sie sich besonders gut anhand ihres bereinigten KGVs bewerten. Dieser lag in der Vergangenheit im Schnitt bei einem Wert von 29. Aktuell notiert die Visa Aktie jedoch zu einem bereinigten KGV von nur 27. Damit wäre die Aktie auf den ersten Blick sogar leicht unterbewertet. Eine solche Bewertungssituation kam in der jüngeren Geschichte bisher eher selten vor, da der Markt meist bereit war, einen Aufschlag für die Sicherheit des Geschäftsmodells zu zahlen. Die möglichen langfristigen Auswirkungen der Ankündigung von Trump zur Deckelung der Kreditkartenzinsen könnten in der Visa Aktie nun bereits zu einem großen Teil eingepreist sein. Die größten Wachstumstreiber für das Unternehmen liegen mittlerweile ohnehin außerhalb der USA in den aufstrebenden Märkten Asiens und Lateinamerikas.

Sofern das Unternehmen weiterhin die gewohnt hohen Wachstumsraten und die extrem starken Margen beibehält, halte ich eine Bewertung mit einem bereinigten KGV von 29 für durchaus angemessen. Insgesamt sehe ich die Visa Aktie daher zum jetzigen Zeitpunkt als tendenziell günstig bewertet an.

Entwicklung des fairen Wertes von Visa nach bereinigten KGV
Entwicklung des fairen Wertes nach bereinigten KGV bei Visa
Quelle: aktienfinder.net

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Technische Analyse Visa

Wenn wir den Monatschart betrachten, wird deutlich, dass die Visa Aktie über die Jahre ein echter Dauerläufer an der Börse war. Der Chart bewegt sich fast wie aus dem Bilderbuch von links unten nach rechts oben, womit der langfristige Aufwärtstrend weiterhin voll intakt ist. Allgemein ist zu beobachten, dass Korrekturen bei diesem Wert eher selten vorkommen und meist recht langsam ablaufen und nicht sonderlich tief gehen. Eine Korrektur wie die aktuelle fand letztmalig im Jahr 2022 statt und davor fast zehn Jahre lang überhaupt nicht. Genau in diesen seltenen Phasen der Kursschwäche lohnt es sich für Investoren, nach langfristigen Einstiegen zu suchen.

Technische Analyse der OTIS Aktie im Monatschart
Monatschart Visa
Quelle: tradingview.com

Schauen wir jedoch auf den kurzfristigen Tageschart, herrscht dort aktuell noch ein intakter Abwärtstrend vor. Dieser Trend könnte erst im Bereich von etwa 335 US-Dollar neutralisiert werden, was ein wichtiges Signal für eine Bodenbildung wäre. In diesem Bereich könnte dann auch ein möglicher neuer Einstieg in Frage kommen. Allerdings verläuft dort eine Widerstandszone, die bereits mehrfach in der Vergangenheit für eine Umkehr gesorgt hat. Auf dem Weg nach oben muss zudem zunächst die etwas schwächere Widerstandszone bei etwa 322 US-Dollar überwunden werden. Es ist derzeit nicht unbedingt davon auszugehen, dass die Visa Aktie direkt im ersten Versuch eine nachhaltige Umkehr schafft. Ein klares Kaufsignal könnte somit noch einige Wochen auf sich warten lassen, bis ein sauberer Boden gebildet wurde und der Wert wieder einen neuen kurzfristigen Aufwärtstrend etabliert hat. Außerdem sind auch noch einmal etwas tiefere Notierungen möglich, die bei einer entsprechenden Bodenbildung sogar noch attraktivere Einstiegschancen bieten würden.

Technische Analyse der Visa Aktie im Tageschart
Tageschart Visa
Quelle: tradingview.com

Fazit zur Visa Aktie

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Visa Aktie momentan in einer seltenen Korrekturphase befindet, die durch die regulatorischen Pläne von US-Präsident Trump noch einmal spürbar ausgeweitet wurde. Dennoch sollten die tatsächlichen Auswirkungen für das Unternehmen selbst überschaubar bleiben, da Visa primär als Netzwerk und nicht als Kreditgeber agiert. Die grundlegende Wachstumsstory des Konzerns ist weiterhin intakt und wird durch innovative Zahlungskonzepte wie A2A und die Integration von Stablecoins zukunftssicher gemacht. Das Unternehmen verfügt durch sein globales Zahlungsnetzwerk über einen gigantischen wirtschaftlichen Burggraben, der kaum zu überwinden ist. Die Aktie ist fundamental betrachtet aktuell sogar günstig bewertet und aus technischer Sicht könnte ein neues Kaufsignal demnächst bevorstehen, sobald der Boden gefestigt ist. Ich persönlich investiere bereits seit einigen Jahren via Sparplan in die Visa Aktie. Dies werde ich auch weiterhin konsequent so handhaben und meine Position langfristig im Depot halten.


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