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SAP Aktie Analyse 2026 – Halbiert im KI-Sturm oder unterschätzter Gewinner?

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Kaum eine deutsche Aktie zeigt die Angst der Börse vor künstlicher Intelligenz so deutlich wie SAP. Im Februar 2025 notierte der Kurs bei rund 284 Euro und der Konzern war das wertvollste Unternehmen Europas. Vor wenigen Tagen stand die Aktie bei unter 128 Euro. Der Kurs hat sich also gut halbiert, während der Konzern operativ weiter zweistellig wächst. Die Zahlen zum zweiten Quartal vom 23. Juli könnten erste Hinweise liefern für die entscheidende Frage, ob SAP durch KI verdrängt wird oder am Ende zu den Profiteuren gehört.

SAP Aktie auf einen Blick

KennzahlWert
Aktueller Kurs135 €
52-Wochen-Hoch258,70 €
52-Wochen-Tief127,52 €
Umsatz Q2 20269,88 Mrd. €
Clouderlöse Q2 20266,28 Mrd. €
Cloud Backlog22,93 Mrd. €
Betriebsergebnis Non-IFRS Q22,7 Mrd. €
Dividende je Aktie2,50 €
Free Cashflow 2026eca. 10 Mrd. €

Warum steht die SAP Aktie so unter Druck?

Der Kursverfall hat einen zentralen Auslöser, und der heißt agentische KI. In der Branche kursiert seit Anfang des Jahres der Begriff der SaaS-Apokalypse. Die Sorge dahinter ist schnell erklärt. Unternehmenssoftware wird pro Nutzer und Monat lizenziert. Wenn ein autonomer KI-Agent die Arbeit mehrerer Sachbearbeiter übernimmt, sinkt die Zahl der bezahlten Lizenzen. Analyst Oliver Frey vom Bankhaus Metzler formuliert es so, dass KI-Agenten künftig eigenständig genau die Aufgaben erledigen könnten, für die Softwarehersteller bislang Lizenzen verkaufen. Betroffen ist damit nicht nur SAP, sondern praktisch die gesamte Branche.

Verstärkt wird der Druck durch drei Faktoren. Erstens wuchs der Auftragsbestand in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen langsamer als die Clouderlöse, was für einen Wachstumswert ein Warnsignal ist. Zweitens verlor die Aktie ihre Premiumbewertung. Wer jahrelang das Dreißigfache des Gewinns bezahlt hat, verkauft in der Unsicherheit zuerst. Drittens macht der Goodwill von rund 29 Milliarden Euro etwa 40 Prozent der Bilanzsumme aus, ohne dass trotz laufender Restrukturierung Abschreibungen vorgenommen wurden.

Übersicht der Zahlen zum zweiten Quartal 2026 von SAP
SAP Q2 2026 Übersicht
Quelle: SAP Q2 2026 Investor Presentation

Die Geschäftszahlen Q2 2026

Operativ passt das düstere Kursbild kaum zu den tatsächlichen Zahlen. Der Gesamtumsatz stieg im zweiten Quartal um 9 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 11 Prozent. Die Clouderlöse legten um 22 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro zu, währungsbereinigt um 24 Prozent. Besonders dynamisch entwickelte sich mit einem Plus von 25 Prozent auf 5,53 Milliarden Euro die Cloud ERP Suite, das Herzstück der Migration bestehender Kunden in die Cloud.

Beim Ergebnis wird das Bild uneinheitlicher. Das Betriebsergebnis stieg nach IFRS um 8 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro, nach Non-IFRS um 7 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Die operative Marge gab damit leicht nach. SAP nennt dafür beschleunigte Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie den Verwässerungseffekt der Reltio-Übernahme. Der Gewinn je Aktie nach IFRS kletterte um 30 Prozent auf 1,89 Euro, der freie Cashflow um 27 Prozent auf 3,0 Milliarden Euro.

Für das Gesamtjahr senkte SAP die Prognose für das bereinigte Betriebsergebnis leicht von 11,9 bis 12,3 auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro. Wichtig ist der Grund. Die Kürzung reflektiert ausschließlich den Verwässerungseffekt der im Juli abgeschlossenen Zukäufe von Dremio und Prior Labs von voraussichtlich über 100 Millionen Euro. Die Prognosen für Clouderlöse und freien Cashflow blieben unverändert.

Was der Cloud Backlog verrät

Bei Softwareunternehmen sind laufende Umsätze ein Blick in den Rückspiegel. Der Blick nach vorn führt über den Auftragsbestand. Der Current Cloud Backlog bildet die vertraglich gesicherten Clouderlöse der kommenden zwölf Monate ab und ist damit der wichtigste Frühindikator des Konzerns. Genau hier liegt die eigentliche Nachricht des Quartals. Der Current Cloud Backlog stieg um 27 Prozent auf 22,93 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 26 Prozent. Nach zwei schwächeren Quartalen ist das eine Trendwende, und Vorstandschef Christian Klein sprach im Earnings Call ausdrücklich von einer Beschleunigung gegenüber dem ersten Quartal. Die Übernahme von Reltio trug weniger als einen Prozentpunkt bei, das Wachstum ist also organisch.

Entwicklung des Cloud Backlogs von SAP in den letzten Quartalen
Entwicklung des Cloud Backlog von SAP
Quelle: SAP Q2 2026 Investor Presentation

Diese Zahl ist die Gegenprobe zur Disruptionsthese. Würden KI-Agenten das Lizenzmodell bereits aushöhlen, müsste sich das zuerst bei den Neuabschlüssen zeigen. Kunden würden kürzer, kleiner oder gar nicht verlängern. Beobachtbar ist das Gegenteil.

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Profitiert SAP von KI oder droht die Disruption?

Der Markt preist SAP fast ausschließlich als KI-Verlierer. Dabei unterscheidet sich die Ausgangslage fundamental von der reiner Anwendungsanbieter. SAP verkauft keine Werkzeuge, sondern verwaltet die Kernprozesse und Stammdaten großer Konzerne. Buchhaltung, Lieferketten, Personalwesen. Ein KI-Agent, der eine Bestellung auslösen oder einen Abschluss vorbereiten soll, braucht genau diese Daten. Er ersetzt nicht das System der Wahrheit, er greift darauf zu.

Daran hängt die Strategie des autonomen Unternehmens, die SAP im Mai auf der Sapphire vorgestellt hat. Mit der Business AI Platform, dem Assistenten Joule und der Autonomous Suite positioniert sich der Konzern als Ebene, auf der die Agenten aufsetzen. Nach Angaben des Managements enthielten über 90 Prozent der größten Abschlüsse im Quartal KI-Komponenten. Auch die Zukäufe passen ins Bild. Dremio bringt Datenzugriffstechnologie, bei Prior Labs geht es um Foundation Models für strukturierte Daten, wofür SAP über eine Milliarde Euro investiert. Eingekauft wird also genau das, was Agenten brauchen, um mit Unternehmensdaten arbeiten zu können.

Übersicht der KI Strategie von SAP
SAP verankert die KI-Agenten auf der eigenen Datenebene
Quelle: SAP Q2 2026 Investor Presentation

Die Gegenposition bleibt trotzdem ernst zu nehmen. Selbst wenn SAP unverzichtbar bleibt, ist damit nichts über den Preis gesagt. Brauchen Kunden weniger Nutzerlizenzen, entsteht Abwärtsdruck bei Vertragsverlängerungen, und SAP müsste von der Bezahlung pro Kopf auf eine Bezahlung pro Vorgang umstellen. Ob das margenneutral gelingt, ist offen. Meine Einschätzung ist daher, dass SAP strukturell besser geschützt ist als reine Anwendungsanbieter und die eigentliche Unsicherheit nicht die Existenz betrifft, sondern die künftige Preissetzungsmacht.

Risiken der SAP Aktie

Erstens ist der Umbau des Preismodells eine Unsicherheit, deren Ergebnis sich erst 2027 und später zeigen wird. Zweitens wächst SAP zunehmend über Zukäufe, was Integrationsrisiken schafft und bereits die Ergebnisprognose belastet. Drittens bleibt der hohe Goodwill in der Bilanz ein Risiko, falls sich das Wachstum abschwächt. Und viertens kann eine optisch günstiger gewordene Bewertung auch eine Value-Trap sein, falls der Markt mit der Disruptionsthese recht behält.

Dividende und Aktienrückkäufe

Anders als viele US-Softwarewerte schüttet SAP eine Dividende aus. Für das Geschäftsjahr 2025 wurde eine Dividende von 2,50 Euro je Aktie beschlossen nach 2,35 Euro im Vorjahr, was auf dem aktuellen Kursniveau rund 1,9 Prozent Rendite ergibt. Relevanter ist der zweite Kanal. Von dem im Januar aufgelegten Rückkaufprogramm über bis zu 10 Milliarden Euro waren bis Ende Juni rund 2,6 Milliarden Euro abgearbeitet. Bei einem Kurs auf Jahrestief kauft der Konzern für dasselbe Geld deutlich mehr eigene Anteile zurück als zu Jahresbeginn, und bei rund 10 Milliarden Euro erwartetem freiem Cashflow ist die Feuerkraft vorhanden.

Fundamentale Bewertung der SAP Aktie

Für die fundamentale Bewertung der SAP Aktie eignet sich insbesondere das bereinigte KGV. Dieses lag in den vergangenen Jahren im Schnitt bei rund 25. Aktuell notiert die Aktie von SAP zu einem bereinigten KGV von etwa 21 und erscheint damit auf den ersten Blick unterbewertet. Man sieht jedoch relativ schnell, dass sich die Aktie in den Jahren 2023 und 2024 weit von ihrem fairen Wert entfernt hat. Rückblickend scheint dies eine deutliche Überbewertung gewesen zu sein, die sich seit Anfang 2025 langsam abgebaut hat. Mittlerweile hat die Bewertung wieder ein normales Level erreicht und aus fundamentaler Sicht spricht erst einmal nichts gegen einen Einstieg in die SAP Aktie. Trotz der zuvor genannten Risiken halte ich ein bereinigtes KGV von 25 weiterhin für angemessen aufgrund der starken Marktposition und der zweistelligen Wachstumsraten.

Entwicklung des fairen Wertes von SAP nach bereinigten KGV
Entwicklung des fairen Wertes nach bereinigten KGV von SAP
Quelle: aktienfinder.net

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Technische Analyse SAP Aktie

Im langfristigen Monatschart sieht es für die Aktie von SAP trotz der längeren Korrektur vom Allzeithoch weiterhin gut aus. Der Aufwärtstrend ist intakt und würde erst bei rund 80 € gebrochen. Die Korrektur des letzten Aufwärtsimpulses hat nun den Bereich des 61,8er Fibonacci-Retracements erreicht, und die Aktie beginnt dort zu reagieren. Dort befindet sich auch eine Unterstützungszone rund um 135 €, die aus dem Vor-Corona-Hoch und den Hochs aus 2022 gebildet wird. Sofern die Aktie hier einen Boden bilden kann, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der langfristige Trend fortgesetzt wird.

Technische Analyse der SAP Aktie im Monatschart
Monatschart SAP
Quelle: tradingview.com

Im Tageschart zeigen sich vermehrt längere Seitwärtsphasen, was für die Unentschlossenheit der Marktteilnehmer spricht. Dies bedeutet jedoch auch, dass wir einen Preisbereich erreicht haben, der für Investoren wieder interessant geworden ist. In einem bullischen Szenario müssten in den kommenden Monaten drei Widerstände überwunden werden. Die einfachste Hürde wäre der Bruch des aktiven Abwärtstrends bei etwa 145 €. Im Bereich von rund 165 € befindet sich eine Widerstandszone, die in der Vergangenheit mehrfach gehalten hat und zusätzlich durch ein Volumencluster verstärkt wird. Diese Zone wird in jedem Fall eine große Hürde darstellen. Kurz darüber liegt noch eine offene Kurslücke, die bis 195 € reicht. Diese sollte allerdings weniger Widerstand leisten.

Ein aggressiver Einstieg könnte oberhalb von 145 € erfolgen, ein konservativer erst über 165 €. Das ist das positive Szenario, aber es darf nicht vergessen werden, dass die Monatsunterstützung unbedingt halten sollte, da sonst nochmals tiefere Notierungen möglich sind.

Technische Analyse der SAP Aktie im Tageschart
Tageschart SAP
Quelle: tradingview.com

Fazit zur SAP Aktie

SAP ist 2026 zum Stellvertreter für die Frage geworden, was künstliche Intelligenz mit dem Geschäftsmodell Unternehmenssoftware macht. Der Markt hat sie bereits beantwortet und die Aktie halbiert. Die Zahlen zum zweiten Quartal beantworten sie anders. Der Auftragsbestand beschleunigt sich, das Cloudgeschäft wächst über 20 Prozent, der freie Cashflow legt kräftig zu, und die einzige Prognosekürzung geht auf zwei Zukäufe zurück, nicht auf schwächere Nachfrage.

Ich halte den Abverkauf für überzogen, aber nicht für unbegründet. Das eigentliche Risiko liegt nicht darin, dass Unternehmen künftig ohne SAP auskommen, sondern darin, dass sie weniger dafür bezahlen könnten. Wer diese Unsicherheit aushält, bekommt einen europäischen Marktführer mit hohen Wechselkosten zu einer Bewertung, die es seit Jahren nicht mehr gab. Für mich ist SAP damit kein Selbstläufer, aber definitiv weiterhin ein Investment wert. Ich bin schon länger investiert und werde es auch bleiben. Aktuell baue ich meine Position über einen Sparplan weiter aus.

Häufige Fragen zur SAP Aktie

Warum ist die SAP Aktie so stark gefallen?
Der Hauptgrund ist die Angst vor der sogenannten SaaS-Apokalypse, also der Befürchtung, dass autonome KI-Agenten das Lizenzmodell pro Nutzer aushebeln. Hinzu kamen ein zuletzt langsamer wachsender Auftragsbestand und der Verlust der Premiumbewertung.

Ist die SAP Aktie ein Kauf?
Fundamental ist SAP mit einem erwarteten KGV von 16 bis 19 so günstig bewertet wie seit Jahren nicht. Dem stehen ein um 26 Prozent wachsender Cloud-Auftragsbestand und ein hoher freier Cashflow gegenüber. Das Hauptrisiko ist die Preissetzungsmacht im Zeitalter der KI-Agenten.

Profitiert SAP von künstlicher Intelligenz?
Bisher deutlicher, als der Kurs vermuten lässt. Über 90 Prozent der größten Abschlüsse im zweiten Quartal enthielten KI-Komponenten, und mit der Business AI Platform sowie den Zukäufen von Dremio und Prior Labs positioniert sich SAP als Datenebene, auf der fremde Agenten aufsetzen müssen.


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